Was ist eigentlich der Blutdruck?

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Der BlutdruckBlutdruck
Blutdruck ist der Druck des Blutes in den Arterien. In der Anästhesie ist die kontinuierliche Überwachung entscheidend, um Hypo- oder Hypertonie rechtzeitig zu erkennen.
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ist ein zentraler VitalparameterVitalzeichen
Vitalzeichen sind grundlegende Messwerte wie Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Temperatur und SpO₂. Sie werden kontinuierlich überwacht und geben Auskunft über den aktuellen Gesundheitszustand des Patienten.
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. Er beschreibt den Druck, mit dem das Blut in den Arterien zirkuliert und auf die Gefäßwände wirkt. Für die Versorgung der Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen ist ein ausreichender Blutdruck notwendig.


 

Entstehung des Blutdrucks

Der BlutdruckBlutdruck
Blutdruck ist der Druck des Blutes in den Arterien. In der Anästhesie ist die kontinuierliche Überwachung entscheidend, um Hypo- oder Hypertonie rechtzeitig zu erkennen.
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ergibt sich aus dem Zusammenspiel von:

  • Herzleistung,
  • Gefäßwiderstand,
  • Blutvolumen,
  • Elastizität der Arterien.

Je kräftiger das Herz pumpt und je enger die Gefäße sind, desto höher fällt der Blutdruck aus.

Systolischer und diastolischer Wert

Der Blutdruck wird in zwei Werten angegeben, zum Beispiel 120/80 mmHg.

  • Der systolische Wert ist der höhere Wert. Er entsteht während der Kontraktion der linken Herzkammer und entspricht dem Druck in der Auswurfphase.
  • Der diastolische Wert ist der niedrigere Wert. Er wird während der Erschlaffungsphase des Herzens gemessen, wenn sich die Kammern wieder füllen.

Die Einheit mmHg bedeutet Millimeter Quecksilbersäule.

Einflussfaktoren

Der Blutdruck wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst.

HerzzeitvolumenHerzzeitvolumen
Das Herzzeitvolumen ist das vom Herzen pro Minute ausgeworfene Blutvolumen, berechnet aus Schlagvolumen und Herzfrequenz. Es ist ein zentraler Parameter zur Beurteilung der Kreislauffunktion und kann mit verschiedenen invasiven oder nichtinvasiven Monitoringverfahren bestimmt werden.
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Das Herzzeitvolumen beschreibt die Blutmenge, die das Herz pro Minute pumpt.

Formel: Herzzeitvolumen = Schlagvolumen × HerzfrequenzHerzfrequenz
Die Herzfrequenz ist die Anzahl der Herzschläge pro Minute und ein zentraler Vitalparameter. Veränderungen können auf Schmerz, Volumenmangel, Rhythmusstörungen oder Medikamentenwirkungen hinweisen und müssen im perioperativen Monitoring immer im Kontext beurteilt werden.
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Wenn das Herzzeitvolumen steigt, steigt meist auch der Blutdruck.

Gefäßwiderstand

Verengen sich die Gefäße, muss das Herz gegen einen höheren Widerstand arbeiten. Der Blutdruck steigt. Erweitern sich die Gefäße, sinkt der Blutdruck.

Blutvolumen

Auch das Blutvolumen spielt eine Rolle. Bei Flüssigkeitsmangel, Blutverlust oder Dehydratation kann der Blutdruck abfallen.

Elastizität der Gefäße

Elastische Arterien können Druckschwankungen gut ausgleichen. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Elastizität ab, wodurch vor allem der systolische Blutdruck ansteigen kann.

Blutdruckwerte

Kategorie Blutdruck (mmHg)
Optimal < 120 / < 80
Normal 120–129 / 80–84
Hochnormal 130–139 / 85–89
Hypertonie Grad 1 140–159 / 90–99
Hypertonie Grad 2 160–179 / 100–109
Hypertonie Grad 3 ≥180 / ≥110

Die Diagnose einer Hypertonie sollte nicht auf einer einzelnen Messung beruhen. Entscheidend sind wiederholte Messungen oder eine Langzeitmessung.

HypotonieHypotonie
Hypotonie bezeichnet einen pathologisch niedrigen Blutdruck mit Risiko für unzureichende Organperfusion. Unter Anästhesie tritt sie häufig durch Vasodilatation, Blutverlust oder Medikamentenwirkung auf und wird mit Volumen, Vasopressoren oder Anpassung der Anästhesietiefe behandelt.
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wird nicht immer über einen festen Grenzwert definiert. Oft ist sie eher klinisch relevant, wenn Beschwerden wie Schwindel, Schwäche oder Kreislaufprobleme auftreten.

Mittlerer arterieller Druck

Der mittlere arterielle Druck, kurz MAD oder MAP, beschreibt den durchschnittlichen arteriellen Druck über einen Herzzyklus. Er ist besonders wichtig für die Beurteilung der Organperfusion.

Formel: MAD = DiastoleDiastole
Die Diastole ist die Entspannungs- und Füllungsphase des Herzens, in der die Ventrikel mit Blut gefüllt werden. Besonders die Koronararterien werden vorwiegend in der Diastole durchblutet, sodass eine zu kurze Diastolendauer, etwa bei Tachykardie, die myokardiale Sauerstoffversorgung verschlechtern kann.
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+ 1/3 × (SystoleSystole
Die Systole ist die Kontraktionsphase der Herzkammern, in der Blut in die großen Arterien ausgeworfen wird. Der systolische Blutdruck ist ein wichtiger Parameter im hämodynamischen Monitoring.
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− Diastole)

Beispiel bei 120/80 mmHg:

  • MAD = 80 + 1/3 × 40
  • MAD ≈ 93 mmHg

In der Praxis gilt der MAD als besonders aussagekräftig, vor allem in der AnästhesieKreissystem
Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
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und IntensivmedizinIntensivmedizin
Die Intensivmedizin befasst sich mit der Diagnostik und Therapie lebensbedrohlich erkrankter Patienten. Sie umfasst erweitertes Monitoring, Organersatzverfahren wie Beatmung oder Dialyse sowie ein interdisziplinäres Management zur Stabilisierung und Rehabilitation.
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. Werte unter etwa 65 mmHg können kritisch werden, da dann die Organperfusion gefährdet sein kann.

Pulsdruck

Der Pulsdruck ist die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck.

Formel: Pulsdruck = Systole − Diastole

Beispiel:

  • 120 − 80 = 40 mmHg

Ein normaler Pulsdruck liegt ungefähr zwischen 30 und 50 mmHg.

Ein erhöhter Pulsdruck kann unter anderem bei Arteriosklerose oder Aortenklappeninsuffizienz auftreten. Ein sehr niedriger Pulsdruck kann auf ein vermindertes Schlagvolumen hinweisen, zum Beispiel bei SchockSchock
Ein Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand kritischer Gewebeminderperfusion, meist durch absoluten oder relativen Volumenmangel bzw. Pumpversagen. Folgen sind Zellschädigung, Laktatazidose und Organversagen. Therapie: rasche Volumengabe, Katecholamine und Beseitigung der Ursache.
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, HerzinsuffizienzHerzinsuffizienz
Herzinsuffizienz bezeichnet eine unzureichende Pumpleistung des Herzens mit Symptomen wie Dyspnoe, Leistungsabnahme und Ödemen. Perioperativ sind eine vorsichtige Volumensteuerung, angepasste Narkoseführung und engmaschiges hämodynamisches Monitoring notwendig, um Dekompensationen zu vermeiden.
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oder Perikardtamponade.

Regulation des Blutdrucks

Der Körper hält den Blutdruck über verschiedene Mechanismen möglichst stabil.

Kurzfristige Regulation

Die kurzfristige Regulation erfolgt innerhalb von Sekunden bis Minuten über Barorezeptoren, den Sympathikus und den Parasympathikus.

Bei einem Blutdruckabfall reagieren diese Systeme unter anderem mit:

  • Anstieg der Herzfrequenz,
  • verstärkter Kontraktion des Herzens,
  • Gefäßverengung.

Langfristige Regulation

Die langfristige Regulation erfolgt vor allem über die Niere. Sie steuert den Blutdruck über:

  • Flüssigkeitsausscheidung,
  • Salzhaushalt,
  • das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS).

Zusätzlich wirken hormonelle Faktoren wie AdrenalinAdrenalin
Katecholamin mit starker Wirkung an alpha- und beta-Rezeptoren, das Herzfrequenz, Kontraktilität und Blutdruck steigert. In der Anästhesie wird es u. a. in der Reanimation, bei anaphylaktischem Schock oder als Zusatz zu Lokalanästhetika eingesetzt, muss aber aufgrund arrhythmogener und ischämiefördernder Effekte streng dosiert werden.
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, NoradrenalinNoradrenalin
Körpereigenes Katecholamin mit vorwiegend α1-vermittelter Vasokonstriktion und leichtem β1-Effekt. Wird als Vasopressor bei Schockzuständen und schwerer Hypotonie titriert i.v. gegeben; erfordert engmaschiges hämodynamisches Monitoring.
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, VasopressinVasopressin
Vasopressin (antidiuretisches Hormon, ADH) wirkt über V1-Rezeptoren vasokonstriktorisch und über V2-Rezeptoren antidiuretisch. Es wird bei refraktärer Hypotonie, z. B. im septischen Schock oder beim Vasoplegiesyndrom, eingesetzt und hat keine direkte positiv inotrope Wirkung.
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und ANP.

Blutdruckmessung

Nichtinvasive Messung

Die nichtinvasive Blutdruckmessung erfolgt meist mit einer Oberarmmanschette.

Vorteile:

  • einfach,
  • schnell,
  • im Alltag gut einsetzbar.

Nachteile:

  • nur punktuelle Werte,
  • bei instabilem KreislaufKreislauf
    Der Kreislauf umfasst Herz und Blutgefäße und dient dem Transport von Sauerstoff, Nährstoffen, CO₂ und Medikamenten. In der Anästhesie stehen hämodynamische Stabilität und Organperfusion im Mittelpunkt.
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    weniger zuverlässig.

Invasive Messung

Die invasive Blutdruckmessunginvasive Blutdruckmessung
Unter invasiver Blutdruckmessung versteht man die kontinuierliche arterielle Druckmessung über eine in eine Arterie eingelegte Kanüle, z. B. in die A. radialis. Sie erlaubt eine genaue Trendbeobachtung, Beat-to-beat-Messung und unkomplizierte Blutgasentnahme.
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erfolgt über einen arteriellen Katheter, meist in der Arteria radialis oder femoralis.

Vorteile:

  • kontinuierliche Messung,
  • genaue Beurteilung von Kreislaufveränderungen,
  • direkte Darstellung der Blutdruckkurve.

Typische Indikationen:

  • größere operative Eingriffe,
  • Schock,
  • Katecholamintherapie,
  • instabile hämodynamische Verhältnisse.

Bedeutung in der Anästhesie

Während einer NarkoseNarkose
Zustand aus bewusstseinsverlustbedingter Schmerzfreiheit, Amnesie und Reflexdämpfung bis -losigkeit, meist mit kontrollierter Atemwegssicherung. Voraussetzung für die Durchführung größerer chirurgischer Eingriffe.
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kann der Blutdruck durch Medikamente, Blutverlust oder LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
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deutlich schwanken. Deshalb gehört die Blutdruckkontrolle zu den wichtigsten Aufgaben im perioperativen Bereich.

Für ATAs ergeben sich dabei unter anderem folgende Aufgaben:

  • Blutdruckwerte überwachen,
  • Veränderungen frühzeitig erkennen,
  • Messqualität kontrollieren,
  • invasive Messungen vorbereiten,
  • Maßnahmen nach ärztlicher Anordnung unterstützen, zum Beispiel Volumengabe oder GabeGabe
    Unter Gabe versteht man die Verabreichung eines Medikaments über einen definierten Applikationsweg wie oral, intravenös, intramuskulär oder rektal. Sie erfolgt nach klaren Dosierungsrichtlinien und ist zentraler Bestandteil sicherer medikamentöser Therapie.
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    von VasopressorenVasopressoren
    Vasopressoren sind kreislaufaktive Medikamente, die über Vasokonstriktion den Blutdruck steigern. Typische Vertreter sind Noradrenalin, Adrenalin und Phenylephrin. Sie werden zur Behandlung von Hypotonie, z. B. nach Spinalanästhesie oder bei septischem Schock, eingesetzt und erfordern engmaschiges Monitoring.
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    .

Ein stabiler Blutdruck ist notwendig, um GehirnGehirn
Das Gehirn ist das zentrale Steuerorgan des Nervensystems und reguliert Bewusstsein, Motorik, Sensorik und vegetative Funktionen. In der Anästhesie steht es im Fokus bei Neuroprotektion, Narkosetiefe und Delirprävention.
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, Herz und NierenNieren
Der obere Harntrakt bildet den ersten Abschnitt des menschlichen Harnsystems und umfasst die Nieren sowie die Harnleiter (Ureter). Diese anatomischen Strukturen sind für die Bildung, Konzentrierung und den Transport des Urins verantwortlich. Darüber hinaus übernehmen die Nieren zahlreiche Aufgaben im Rahmen der Homöostase.
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zuverlässig zu perfundieren.

Merksätze:

  • Der Blutdruck ist der Druck des Blutes in den Arterien.

  • Der systolische Wert entsteht während der Kontraktion des Herzens.

  • Der diastolische Wert entsteht während der Entspannungsphase.

  • Der MAD ist für die Organperfusion besonders wichtig.

  • Blutdruck wird durch Herzleistung, Gefäßwiderstand, Blutvolumen und Gefäßelastizität beeinflusst.

  • In der Anästhesie ist die engmaschige Blutdrucküberwachung ein zentraler Bestandteil der Patientenüberwachung.

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