6. Juli 2024

Übersicht Injektionsanästhetika

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Injektionsnarkotika sind intravenös verabreichte Medikamente zur NarkoseeinleitungNarkoseeinleitung
Phase, in der durch Gabe von Anästhetika der Narkosezustand hergestellt wird. Meist intravenös (z. B. Propofol) oder inhalativ, kombiniert mit Analgetikum und ggf. Muskelrelaxans.
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und -aufrechterhaltung. Sie zeichnen sich durch einen schnellen Wirkungseintritt und eine kurze Wirkdauer aus. Zu den wichtigsten Vertretern gehören PropofolPropofol
Propofol ist ein schnell wirkendes Narkosemittel zur Einleitung und Aufrechterhaltung von Vollnarkosen. Es wird intravenös verabreicht und findet Anwendung bei Operationen und diagnostischen Eingriffen. Charakteristisch sind der rasche Wirkungseintritt und die kurze Wirkdauer. Propofol wird auch zur Sedierung auf Intensivstationen eingesetzt. Es eignet sich für Erwachsene und Kinder und bietet eine gute Steuerbarkeit der Narkosetiefe.
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, EtomidatEtomidat
Etomidat ist ein kurz wirksames Injektionsanästhetikum, das hauptsächlich zur Narkoseeinleitung verwendet wird. Es zeichnet sich durch seine hämodynamische Stabilität aus und wird besonders bei Patienten mit eingeschränkter Herzfunktion oder Kreislaufinstabilität eingesetzt. Etomidat hat eine schnelle Anschlagszeit und kurze Wirkdauer.
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, ThiopentalBarbiturat
Barbiturate sind ältere Hypnotika, die heute v.a. in der Neuroanästhesie und zur Anfallsunterbrechung genutzt werden. Sie senken den zerebralen Stoffwechsel und den intrakraniellen Druck, können aber Atem- und Kreislaufdepression verursachen.
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und KetaminKetamin
Ketamin ist ein dissoziatives Anästhetikum mit analgetischer und psychotroper Wirkung. Es wird zur Narkoseeinleitung, Analgosedierung und Schmerztherapie eingesetzt. S-Ketamin (Esketamin) ist das pharmakologisch aktivere Enantiomer des Ketamins mit höherer Potenz und geringeren Nebenwirkungen. Beide Formen finden in der Anästhesie, Notfall- und Schmerzmedizin Anwendung.
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/S-Ketamin. Diese Substanzen unterscheiden sich in ihren pharmakologischen Eigenschaften, Anwendungsgebieten und Nebenwirkungsprofilen.

Propofol

  • Wirkstoffklasse: Hypnotikum, Anästhetikum
  • Wirkmechanismus: Aktivierung von GABA-A-Rezeptoren
  • Wirkungseintritt: 30-40 Sekunden
  • Wirkdauer: 4-6 Minuten
  • Anwendungsgebiete: Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung, SedierungSedierung
    Sedierung bezeichnet die medikamentöse Dämpfung des zentralen Nervensystems, bei der der Patient beruhigt ist, aber je nach Tiefe ansprechbar bleiben kann. Ziele sind Angst- und Stressreduktion sowie bessere Toleranz von Eingriffen. Sie erfordert angepasstes Monitoring und Airway-Management.
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  • Dosierung (Erwachsene):
    • Narkoseeinleitung: 1,5-2,5 mg/kg KG
    • Narkoseaufrechterhaltung: 4-12 mg/kg KG/h
  • Nebenwirkungen: HypotonieHypotonie
    Hypotonie bezeichnet einen pathologisch niedrigen Blutdruck mit Risiko für unzureichende Organperfusion. Unter Anästhesie tritt sie häufig durch Vasodilatation, Blutverlust oder Medikamentenwirkung auf und wird mit Volumen, Vasopressoren oder Anpassung der Anästhesietiefe behandelt.
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    , AtemdepressionAtemdepression
    Atemdepression bezeichnet eine durch zentrale oder periphere Ursachen reduzierte Atemtätigkeit mit Hypoventilation. Häufig ist sie medikamentös bedingt, etwa durch Opioide, Benzodiazepine oder Anästhetika, und erfordert je nach Ausprägung Sauerstoffgabe, Stimulationsmaßnahmen oder medikamentöse Antagonisierung.
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    , Schmerzen an der Injektionsstelle
  • Besonderheiten: Keine analgetische Wirkung, muss mit Analgetikum kombiniert werden

Etomidat

  • Wirkstoffklasse: Hypnotikum, Anästhetikum
  • Wirkmechanismus: Verstärkung der GABA-ergen Neurotransmission
  • Wirkungseintritt: 30-60 Sekunden
  • Wirkdauer: 3-5 Minuten
  • Anwendungsgebiete: Narkoseeinleitung, Kurznarkosen
  • Dosierung (Erwachsene):
    • Narkoseeinleitung: 0,2-0,3 mg/kg KG
  • Nebenwirkungen: Myoklonien, Übelkeit, Erbrechen
  • Besonderheiten: Hämodynamische Stabilität, keine AnalgesieAnalgesie
    Analgesie bezeichnet den Zustand der Schmerzfreiheit oder deutlich reduzierten Schmerzempfindung bei erhaltenem Bewusstsein. Sie kann medikamentös, z. B. durch Opioide und Nicht-Opioid-Analgetika, oder regionalanästhesiologisch erreicht werden und ist ein zentrales Ziel der perioperativen Versorgung.
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Thiopental

  • Wirkstoffklasse: BarbituratBarbiturat
    Barbiturate sind ältere Hypnotika, die heute v.a. in der Neuroanästhesie und zur Anfallsunterbrechung genutzt werden. Sie senken den zerebralen Stoffwechsel und den intrakraniellen Druck, können aber Atem- und Kreislaufdepression verursachen.
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    , Anästhetikum
  • Wirkmechanismus: Aktivierung von GABA-A-Rezeptoren
  • Wirkungseintritt: 10-20 Sekunden
  • Wirkdauer: 5-10 Minuten
  • Anwendungsgebiete: Narkoseeinleitung, Behandlung von Status epilepticus
  • Dosierung (Erwachsene):
    • Narkoseeinleitung: 3-5 mg/kg KG
  • Nebenwirkungen: Atemdepression, Hypotonie, LaryngospasmusLaryngospasmus
    Reflektorischer Verschluss der Stimmritze durch Verkrampfung der Kehlkopfmuskulatur. Führt zu akuter Atemwegsobstruktion mit Stridor oder kompletter Stille; sofortiges Management erforderlich.
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  • Besonderheiten: Neuroprotektive Eigenschaften, enge therapeutische Breite

Ketamin/S-Ketamin

  • Wirkstoffklasse: Dissoziatives Anästhetikum, NMDA-Rezeptor-Antagonist
  • Wirkmechanismus: Blockade des NMDA-Rezeptors
  • Wirkungseintritt: 30-60 Sekunden (i.v.), 2-5 Minuten (i.m.)
  • Wirkdauer: 10-15 Minuten (i.v.), 15-25 Minuten (i.m.)
  • Anwendungsgebiete: Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung, Analgosedierung, SchmerztherapieSchmerztherapie
    Schmerztherapie umfasst alle Maßnahmen zur Linderung akuter und chronischer Schmerzen, z. B. systemische Analgetika, Regionalanästhesie, PCA und nicht-medikamentöse Verfahren. Im perioperativen Setting steht die multimodale Analgesie im Vordergrund.
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  • Dosierung (Erwachsene):
    • Narkoseeinleitung: 1-2 mg/kg KG (Ketamin), 0,5-1 mg/kg KG (S-Ketamin) i.v.
  • Nebenwirkungen: Psychomimetische Effekte, Nystagmus, Speichelfluss
  • Besonderheiten: Analgetische Wirkung, Erhalt der Schutzreflexe

Propofol ist das Mittel der Wahl für Vollnarkosen aus mehreren Gründen:

  • Schneller Wirkungseintritt und kurze Wirkdauer: Propofol wirkt innerhalb von 30-40 Sekunden und hält nur 4-6 Minuten an, was eine gute Steuerbarkeit ermöglicht.
  • Angenehmes Ein- und Ausschlafen: Patienten erleben den Narkosebeginn und das Aufwachen als angenehm.
  • Geringe Nebenwirkungen: Übelkeit und Erbrechen treten seltener auf als bei anderen Narkosemitteln.
  • Gute Verträglichkeit: Propofol wird auch zur Sedierung eingesetzt, was seine Verträglichkeit unterstreicht.

Ketamin wird in folgenden Situationen bevorzugt eingesetzt:

  • Notfall- und Katastrophenmedizin: Bei schweren Traumata, starken Schmerzen und instabilem KreislaufKreislauf
    Der Kreislauf umfasst Herz und Blutgefäße und dient dem Transport von Sauerstoff, Nährstoffen, CO₂ und Medikamenten. In der Anästhesie stehen hämodynamische Stabilität und Organperfusion im Mittelpunkt.
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    .
  • Asthma-Patienten: Aufgrund seiner bronchodilatatorischen Wirkung ist Ketamin bei Asthmatikern vorteilhaft.
  • Aufrechterhaltung von Schutzreflexen: Ketamin erhält auch in höheren Dosen die Atemregulation und Schutzreflexe weitgehend aufrecht, was es für Situationen geeignet macht, in denen eine Sicherung der Atemwege schwierig ist.
  • Therapieresistente Depression: In Kombination mit anderen Antidepressiva.
  • Schwere Asthmaanfälle: Als Ultima Ratio bei therapieresistentem Status asthmaticus

Thiopental und Etomidat werden aus folgenden Gründen nur noch selten eingesetzt:

Thiopental:

  • Beeinträchtigung der Herz-Kreislauf-Funktion: Hohe Dosen führen zu Blutdruckabfall und vermindertem HerzzeitvolumenHerzzeitvolumen
    Das Herzzeitvolumen ist das vom Herzen pro Minute ausgeworfene Blutvolumen, berechnet aus Schlagvolumen und Herzfrequenz. Es ist ein zentraler Parameter zur Beurteilung der Kreislauffunktion und kann mit verschiedenen invasiven oder nichtinvasiven Monitoringverfahren bestimmt werden.
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    .
  • Atemdepression: Risiko eines Atemstillstands bei schneller Injektion oder hohen Dosen.
  • Enzyminduktion in der Leber: Kann den Abbau anderer Medikamente beeinflussen.
  • Kontraindikation bei Porphyrie und schweren Lebererkrankungen.
  • Verlängerte Aufwachphase bei wiederholter GabeGabe
    Unter Gabe versteht man die Verabreichung eines Medikaments über einen definierten Applikationsweg wie oral, intravenös, intramuskulär oder rektal. Sie erfolgt nach klaren Dosierungsrichtlinien und ist zentraler Bestandteil sicherer medikamentöser Therapie.
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    oder hohen Dosen.

Etomidat:

  • Hemmung der Cortisolsynthese: Bereits einmalige Gabe kann bei kritisch kranken Patienten die Cortisolproduktion stark beeinträchtigen.
  • Unzureichende Dämpfung der Reflexe bei IntubationIntubation
    Intubation bezeichnet das Einführen eines Tubus in die Trachea zur Sicherung der Atemwege. Sie erfolgt meist unter direkter oder videounterstützter Laryngoskopie und ermöglicht kontrollierte Beatmung und Schutz vor Aspiration.
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    .
  • Häufigeres Auftreten von postoperativer Übelkeit und Erbrechen im Vergleich zu Propofol.
  • Fehlende analgetische Wirkung: Erfordert zusätzliche Gabe von AnalgetikaAnalgetika
    Analgetika sind Medikamente zur Behandlung von Schmerzen, die je nach Wirkmechanismus in Nicht-Opioid-Analgetika, Opioide und Koanalgetika unterteilt werden. In der Anästhesie werden sie zur intra- und postoperativen Schmerztherapie eingesetzt und häufig im multimodalen Konzept kombiniert, um Nebenwirkungen zu minimieren.
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    .
  • Wissenschaftliche Kontroversen bezüglich der Sicherheit bei kritisch kranken Patienten.

Propofol hat sich aufgrund seiner günstigeren Eigenschaften als Standardmedikament für die Narkoseeinleitung etabliert und wird von vielen Anästhesisten als nahezu ideal betrachtet.

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