Sturzgefahr und Sturz-Prophylaxe

Stürze im Krankenhaus zählen zu den häufigsten vermeidbaren Sicherheitsrisiken, mit täglich etwa 12 Stürzen pro 1.000 Patienten. Fast 80 % dieser Vorfälle gelten als präventabel. Effektive Sturzprophylaxe kombiniert individuelle Risikobewertung, Umgebungsanpassungen und gezielte Trainingsmaßnahmen, um physische Schäden und psychologische Folgen wie Sturzangst zu minimieren
Risikofaktoren
Bei Patienten
- Intrinsische Faktoren:
- Gang- und Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen oder sensorische Defizite
- Akute Gesundheitsstörungen wie Hypoglykämie, Epilepsie oder Herzrhythmusstörungen
- Kognitive Einschränkungen (Demenz, DelirVerwirrtheitszustand
Ein Verwirrtheitszustand (postoperatives Delir) ist gekennzeichnet durch akute Desorientierung, Aufmerksamkeitsstörungen, Halluzinationen, Unruhe oder Apathie. Er tritt besonders bei älteren Patienten nach Operationen auf und erfordert frühzeitige Erkennung und Behandlung.
[Zum Glossareintrag]) oder psychische Erkrankungen (Depression, Sturzangst) - Extrinsische Faktoren:
- Stolperfallen wie Kabel, Teppiche oder schlechte Beleuchtung [1]
- Ungeeignetes Schuhwerk oder zu lange Kleidung [1]
Im OP-Bereich
- Für Patienten: Narkosefolgen, ungesicherte LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
[Zum Glossareintrag], rutschige OP-Tische - Für Personal: Zeitdruck, fehlende Rutschhemmung am Boden, ungesicherte Geräte oder Kabel
Medikamentöse Risiken
- Polypharmazie (v. a. Psychopharmaka, AntihypertensivaAntihypertensiva
Antihypertensiva sind Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck und werden auch perioperativ zur Blutdruckkontrolle eingesetzt. Dazu gehören u. a. Betablocker, ACE-Hemmer, Calciumantagonisten und Vasodilatatoren; ihre präoperative Fortführung oder Pause muss individuell entschieden werden.
[Zum Glossareintrag])
Prophylaxe-Maßnahmen
Allgemeine Prävention
- Umgebungsanpassungen:
- Beseitigung von Stolperfallen, Handläufe an Treppen, ausreichende Beleuchtung [1]
- Trockenhalten von Böden und ordentliches Kabelmanagement [1]
- Personenbezogene Maßnahmen:
- Gleichgewichtstraining (z. B. Einbeinstand, Fersen-Zehen-Gang)
- Regelmäßige Überprüfung von Sehhilfen und Hörgeräten
Spezifisch im OP
- Fixierung der Patienten am OP-Tisch mit Bauchgurten
- Sicherung von Geräten und Kabeln, Bremsen des OP-Tisches vor Lagerungsänderungen
- Tragen von rutschfestem Schuhwerk durch das Personal
Organisatorische Maßnahmen
- Regelmäßige Schulungen zum Risikomanagement
- Dokumentation von Sturzereignissen zur Identifikation wiederkehrender Probleme
Durch die Kombination von individueller Risikobewertung, Umgebungsoptimierung und gezieltem Training lassen sich Stürze im Krankenhaus effektiv reduzieren.
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