Sevofluran

SevofluranSevofluran
Sevofluran ist ein modernes inhalatives Anästhetikum mit einem angenehmen Geruch, das häufig bei der Anästhesieinduktion und -aufrechterhaltung eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine schnelle Anflutung und gute Steuerbarkeit aus.
[Zum Glossareintrag] ist ein modernes inhalatives Anästhetikum mit einem angenehmen Geruch, das häufig bei der Anästhesieinduktion und -aufrechterhaltung eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine schnelle Anflutung und gute Steuerbarkeit aus.
Allgemeine Informationen
- Wirkstoffname: Sevofluran
- Handelsnamen: Sevorane®, Ultane®
- Wirkstoffklasse: InhalationsanästhetikaInhalationsanästhetika
Inhalationsanästhetika wirken auf verschiedene Zielstrukturen im Zentralnervensystem. Sie beeinflussen vermutlich GABA-, Glycin-, Glutamat- und NMDA-Rezeptoren im ZNS. Dies führt zu hypnotischen, analgetischen, muskelrelaxierenden und reflexdämpfenden Effekten.
[Zum Glossareintrag] (halogenierter Ether) - Molekularformel: C4H3F7O
- Geruch: Angenehm, leicht süßlich
Pharmakologie
- PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
[Zum Glossareintrag]: Schnelle Anflutung und Elimination über die LungeLunge
Zentrales Organ für Gasaustausch, Sauerstoffaufnahme und CO₂-Abgabe. In der Anästhesie Fokus für Ventilation, Oxygenierung und postoperative Komplikationen.
[Zum Glossareintrag] - PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
[Zum Glossareintrag]: Bewirkt Hypnose, Amnesie und Muskelrelaxation - Wirkmechanismus: Beeinflussung von GABA-Rezeptoren und NMDA-Hemmung
- Wirkungseintritt: Sehr schnell
- Wirksamkeitsdauer: Kurz
- Metabolismus: Minimal, ca. 3 % hepatisch
- Ausscheidung: Über die Atemwege
Aussehen
Klare, farblose Flüssigkeit
Erhältliche Konzentrationen
Flüssigkeit zur Verdampfung, keine feste Konzentration in Gebinden
Anwendungsgebiete
- AllgemeinanästhesieAllgemeinanästhesie
Die Allgemeinanästhesie ist ein reversibler Zustand, der durch Medikamente gezielt herbeigeführt wird. Sie umfasst Bewusstlosigkeit, Schmerzfreiheit (Analgesie), Amnesie und Reflexdämpfung. Das zentrale Nervensystem wird kontrolliert ausgeschaltet, um operative Eingriffe ohne Belastung für den Patienten zu ermöglichen. Die Beatmung erfolgt meist kontrolliert.
[Zum Glossareintrag] - InduktionNarkoseeinleitung
Phase, in der durch Gabe von Anästhetika der Narkosezustand hergestellt wird. Meist intravenös (z. B. Propofol) oder inhalativ, kombiniert mit Analgetikum und ggf. Muskelrelaxans.
[Zum Glossareintrag] und Aufrechterhaltung der AnästhesieKreissystem
Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
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Dosierung
- Erwachsene: 1,8-2,5 Vol.-%
- Kinder: 2,5-3,5 Vol.-%
Nebenwirkungen
- Häufig: HypotonieHypotonie
Hypotonie bezeichnet einen pathologisch niedrigen Blutdruck mit Risiko für unzureichende Organperfusion. Unter Anästhesie tritt sie häufig durch Vasodilatation, Blutverlust oder Medikamentenwirkung auf und wird mit Volumen, Vasopressoren oder Anpassung der Anästhesietiefe behandelt.
[Zum Glossareintrag], AtemdepressionAtemdepression
Atemdepression bezeichnet eine durch zentrale oder periphere Ursachen reduzierte Atemtätigkeit mit Hypoventilation. Häufig ist sie medikamentös bedingt, etwa durch Opioide, Benzodiazepine oder Anästhetika, und erfordert je nach Ausprägung Sauerstoffgabe, Stimulationsmaßnahmen oder medikamentöse Antagonisierung.
[Zum Glossareintrag] - Weniger häufig: Übelkeit, Erbrechen
- Selten: Maligne HyperthermieMaligne Hyperthermie
Seltene, erblich bedingte, lebensbedrohliche Reaktion auf volatile Anästhetika und Succinylcholin. Typisch sind rascher CO₂-Anstieg, Tachykardie, Rigor, Temperaturanstieg und Hyperkaliämie. Therapie: Trigger stoppen, Dantrolen, intensives Monitoring.
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Kontraindikationen
- Absolut: Maligne Hyperthermie in der Anamnese
- Relativ: Erhöhter intrakranieller DruckErhöhter intrakranieller Druck
Erhöhter intrakranieller Druck gefährdet die zerebrale Perfusion und erfordert Maßnahmen wie Kopfhochlagerung, CO₂-Steuerung und osmotische Therapie.
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Wechselwirkungen
- Verstärkung von MuskelrelaxanzienMuskelrelaxanzien
Gruppe von Medikamenten, die die neuromuskuläre Erregungsübertragung blockieren, um eine Erschlaffung der Skelettmuskulatur zu erzielen. Unterteilt in depolarisierende (z. B. Succinylcholin) und nicht-depolarisierende Substanzen (z. B. Rocuronium).
[Zum Glossareintrag] und SedativaBeruhigungsmittel
Beruhigungsmittel sind Medikamente, die Angst und Unruhe reduzieren. In der Anästhesie werden sie präoperativ zur Sedierung eingesetzt. Wichtig sind Dosierung und Überwachung von Atmung und Kreislauf.
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Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Anwendung bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen mit Vorsicht
LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
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- Bei Raumtemperatur lagern
Missbrauchspotential
Keines bekannt
Sonstiges
- Sevofluran ist wegen des milden Geruchs zur alleinigen Einleitung geeignet – zum Beispiel bei unkooperativen Kindern
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