Remifentanil

RemifentanilRemifentanil
Remifentanil ist ein hochpotentes, synthetisches Opioid-Analgetikum, das sich durch seine ultrakurze Wirkdauer auszeichnet. Es wird hauptsächlich in der Anästhesie eingesetzt, wo seine schnelle An- und Abflutung eine präzise Steuerung der Schmerzausschaltung ermöglicht. Remifentanil findet besonders bei kurzen chirurgischen Eingriffen und in der Intensivmedizin Anwendung.
[Zum Glossareintrag] ist ein extrem kurz wirksames, synthetisches OpioidOpiat
Opiate sind starke Schmerzmittel, die direkt aus dem Opium (z. B. Morphin, Codein) gewonnen werden. Im klinischen Alltag wird der Begriff oft unscharf auch für synthetische Opioide verwendet. Sie wirken über Opioidrezeptoren im ZNS und sind fester Bestandteil vieler anästhesiologischer Verfahren.
[Zum Glossareintrag]-Analgetikum, das hauptsächlich in der AnästhesieKreissystem
Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
[Zum Glossareintrag] zur intraoperativen Schmerzbekämpfung eingesetzt wird. Durch seine schnelle Metabolisierung via unspezifische Esterasen ermöglicht es eine präzise Steuerbarkeit, selbst bei längeren Eingriffen, und eignet sich ideal für balancierte Anästhesie mit kontrollierter Tiefe.
Allgemeine Informationen
Wirkstoffname (INN): Remifentanil
Handelsnamen: UltivaUltiva
Ultiva ist ein Handelsname für Remifentanil, ein ultrakurz wirksames Opioid. Es eignet sich besonders für kontinuierliche Infusionen im OP, da Wirkungseintritt und -ende sehr rasch sind und die Dosierung gut steuerbar ist.
[Zum Glossareintrag]®, Remifentanil-hameln®, Remifentanil Sintetica®
Wirkstoffklasse: stark wirksames synthetisches Opioid, FentanylFentanyl
Fentanyl ist ein hochpotentes synthetisches Opioid-Analgetikum, das in der Anästhesie und Schmerztherapie eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine etwa 100-fach stärkere analgetische Wirkung als Morphin aus. Fentanyl wird sowohl bei der Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung als auch zur Behandlung starker chronischer Schmerzen verwendet. Es ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Injektionslösungen, Pflaster und Nasensprays.
[Zum Glossareintrag]-Derivat
Molekularformel: C20H28N2O5
Organoleptische Eigenschaften: weißes bis fast weißes Pulver zur Rekonstitution
Erscheinungsform: Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung
MorphinMorphin
Stark wirksames Opioid und Referenzsubstanz der Opioidanalgesie. Wirkt analgetisch, sedierend und anxiolytisch, mit vergleichsweise langsamer Anflutung und längerer Wirkdauer. Typische Nebenwirkungen: Übelkeit, Obstipation, Atemdepression.
[Zum Glossareintrag]-Potenz
Remifentanil ist etwa 100- bis 200-mal potenter als Morphin. Die genaue Potenz variiert je nach Dosisform und Anwendungssituation, liegt aber deutlich über der von Fentanyl. Durch die sehr kurze Halbwertszeit ist die Wirkstärke in Bolussituationen besonders ausgeprägt.
Pharmakologie
Remifentanil wirkt selektiv an μ-Opioidrezeptoren und führt zu einer starken, aber extrem kurz wirksamen AnalgesieAnalgesie
Analgesie bezeichnet den Zustand der Schmerzfreiheit oder deutlich reduzierten Schmerzempfindung bei erhaltenem Bewusstsein. Sie kann medikamentös, z. B. durch Opioide und Nicht-Opioid-Analgetika, oder regionalanästhesiologisch erreicht werden und ist ein zentrales Ziel der perioperativen Versorgung.
[Zum Glossareintrag]. Die Besonderheit liegt in seiner raschen Metabolisierung durch unspezifische Plasma- und Gewebeesterasen, was eine kontextsensitive Halbwertszeit von nur wenigen Minuten ermöglicht. Dies erlaubt eine schnelle Auf- und Abdosierung intraoperativ sowie ein rasches Erwachen nach Beendigung der Zufuhr.
PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
[Zum Glossareintrag]
Wirkmechanismus: hochselektiver μ-Opioidrezeptor-Agonist
Wirkungseintritt: ca. 1 Minute nach i.v.-GabeGabe
Unter Gabe versteht man die Verabreichung eines Medikaments über einen definierten Applikationsweg wie oral, intravenös, intramuskulär oder rektal. Sie erfolgt nach klaren Dosierungsrichtlinien und ist zentraler Bestandteil sicherer medikamentöser Therapie.
[Zum Glossareintrag]
Wirkdauer: 5–10 Minuten nach BolusBolusgabe
Bolusgabe bedeutet die schnelle Verabreichung einer definierten Medikamentenmenge, etwa zur Analgesie oder Kreislaufstabilisierung.
[Zum Glossareintrag]
Besonderheiten: kontextsensitive Halbwertszeit < 5 Minuten, keine Akkumulation
PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
[Zum Glossareintrag]
Bioverfügbarkeit: ausschließlich intravenös
Metabolisierung: durch unspezifische Esterasen im Blut und Gewebe
Halbwertszeit: 3–10 Minuten, unabhängig von Dauer der Gabe
Ausscheidung: renale Elimination der inaktiven Metaboliten
Erhältliche Konzentrationen und Zubereitungen
- Pulver zur Rekonstitution mit 1 mg, 2 mg oder 5 mg pro Durchstechflasche
- Wird mit NaCl 0,9 % oder Glucose 5 % auf 20–50 μg/ml verdünnt
Anwendungsgebiete
- Intraoperative Analgesie bei AllgemeinanästhesieAllgemeinanästhesie
Die Allgemeinanästhesie ist ein reversibler Zustand, der durch Medikamente gezielt herbeigeführt wird. Sie umfasst Bewusstlosigkeit, Schmerzfreiheit (Analgesie), Amnesie und Reflexdämpfung. Das zentrale Nervensystem wird kontrolliert ausgeschaltet, um operative Eingriffe ohne Belastung für den Patienten zu ermöglichen. Die Beatmung erfolgt meist kontrolliert.
[Zum Glossareintrag] - Herz-, Neuro- und Thoraxchirurgie mit schnellem Erwachen
- Kurze schmerzhafte Eingriffe (z. B. Larynxmasken-OPs)
- Gegebenenfalls bei RSIRapid Sequence Induction (RSI)
Die Rapid Sequence Induction (RSI) ist eine Narkoseeinleitung mit besonderem Aspirationsschutz. Sie umfasst vollständige Präoxygenierung, schnelle Gabe der Einleitungsmedikamente ohne Maskenbeatmung, sofortige Intubation und ggf. Krikoiddruck, um das Aspirationsrisiko bei nicht nüchternen Patienten zu reduzieren.
[Zum Glossareintrag] zur Blockade vegetativer Reflexe
Dosierung
Erwachsene:
– Einleitung: 1 μg/kg KG als Bolus
– Aufrechterhaltung: 0,1–1 μg/kg/min (meist per PerfusorPerfusor
Ein Perfusor ist eine Spritzenpumpe zur präzisen, kontinuierlichen oder intermittierenden Medikamentengabe, z. B. von Vasopressoren, Sedativa oder Analgetika. Er ermöglicht eine exakte Dosierung über längere Zeiträume.
[Zum Glossareintrag])
Kinder:
– Einleitung: 1–2 μg/kg KG als Bolus
– Erhaltungsdosis: 0,05–1,3 μg/kg/min je nach Alter und OP
Hinweis: Aufgrund der kurzen Wirkdauer sollte bei Beendigung der Gabe ein Übergang zu einem länger wirksamen Analgetikum erfolgen.
Nebenwirkungen
- AtemdepressionAtemdepression
Atemdepression bezeichnet eine durch zentrale oder periphere Ursachen reduzierte Atemtätigkeit mit Hypoventilation. Häufig ist sie medikamentös bedingt, etwa durch Opioide, Benzodiazepine oder Anästhetika, und erfordert je nach Ausprägung Sauerstoffgabe, Stimulationsmaßnahmen oder medikamentöse Antagonisierung.
[Zum Glossareintrag] - Bradykardie und HypotonieHypotonie
Hypotonie bezeichnet einen pathologisch niedrigen Blutdruck mit Risiko für unzureichende Organperfusion. Unter Anästhesie tritt sie häufig durch Vasodilatation, Blutverlust oder Medikamentenwirkung auf und wird mit Volumen, Vasopressoren oder Anpassung der Anästhesietiefe behandelt.
[Zum Glossareintrag] - Thoraxrigidität bei BolusgabeBolusgabe
Bolusgabe bedeutet die schnelle Verabreichung einer definierten Medikamentenmenge, etwa zur Analgesie oder Kreislaufstabilisierung.
[Zum Glossareintrag] - Übelkeit, Erbrechen, Muskelzuckungen
Wechselwirkungen
- Verstärkte Wirkung bei Kombination mit SedativaBeruhigungsmittel
Beruhigungsmittel sind Medikamente, die Angst und Unruhe reduzieren. In der Anästhesie werden sie präoperativ zur Sedierung eingesetzt. Wichtig sind Dosierung und Überwachung von Atmung und Kreislauf.
[Zum Glossareintrag] und Hypnotika - Keine klinisch relevanten CYP-basierten Interaktionen
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Remifentanil oder Fentanyl-Derivate
- Gabe außerhalb überwachten Settings (Anästhesie, IntensivstationIntensivmedizin
Die Intensivmedizin befasst sich mit der Diagnostik und Therapie lebensbedrohlich erkrankter Patienten. Sie umfasst erweitertes Monitoring, Organersatzverfahren wie Beatmung oder Dialyse sowie ein interdisziplinäres Management zur Stabilisierung und Rehabilitation.
[Zum Glossareintrag]) - Frühgeborene und Neugeborene (Sicherheitsdaten fehlen)
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Keine alleinige Analgesie nach OP – Wirkungsende abrupt
- Antidot (NaloxonNaloxon
Kompetitiver Opioidantagonist zur Aufhebung der Opioidwirkung, insbesondere bei Atemdepression und Überdosierung. Wirkt rasch, hat eine kurze Halbwertszeit und muss ggf. wiederholt gegeben oder als Dauerinfusion verabreicht werden. Hebt sowohl analgetische als auch unerwünschte Opioideffekte auf.
[Zum Glossareintrag]) bereithalten - Kontinuierliche ÜberwachungMonitoring
Kontinuierliche Überwachung physiologischer Parameter wie EKG, Blutdruck, SpO₂, Atemfrequenz, Kapnographie und Temperatur während Anästhesie oder Intensivtherapie, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
[Zum Glossareintrag] von AtmungRespiration
Respiration bezeichnet den Prozess des Gasaustauschs über die Lunge: Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid. Sie ist lebenswichtig für den Zellstoffwechsel und wird im OP und auf Intensivstation kontinuierlich überwacht.
[Zum Glossareintrag], KreislaufKreislauf
Der Kreislauf umfasst Herz und Blutgefäße und dient dem Transport von Sauerstoff, Nährstoffen, CO₂ und Medikamenten. In der Anästhesie stehen hämodynamische Stabilität und Organperfusion im Mittelpunkt.
[Zum Glossareintrag] und Tiefe der NarkoseNarkose
Zustand aus bewusstseinsverlustbedingter Schmerzfreiheit, Amnesie und Reflexdämpfung bis -losigkeit, meist mit kontrollierter Atemwegssicherung. Voraussetzung für die Durchführung größerer chirurgischer Eingriffe.
[Zum Glossareintrag]
Lagerungshinweise
- Trocken lagern, unter 25 °C
- Nach Rekonstitution innerhalb von 24 Stunden verwenden
Missbrauchspotenzial / Betäubungsmittelrecht
Remifentanil unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und darf ausschließlich in kontrollierten klinischen Umgebungen angewendet werden.
Sonstiges / Besonderheiten
- Wegen schneller Metabolisierung auch bei Leber- oder Niereninsuffizienz gut steuerbar
- Nicht kumulierend – auch bei längerer Anwendung rasches Erwachen
- Teil von TIVATIVA
TIVA (Totale intravenöse Anästhesie) bezeichnet eine Narkose, die ausschließlich mit intravenös verabreichten Medikamenten (z. B. Propofol, Remifentanil) durchgeführt wird. Sie wird in der Regel über Perfusoren gesteuert und ist bei PONV-Risiko oder neurochirurgischen Eingriffen besonders beliebt.
[Zum Glossareintrag]-Konzepten (z. B. PropofolPropofol
Propofol ist ein schnell wirkendes Narkosemittel zur Einleitung und Aufrechterhaltung von Vollnarkosen. Es wird intravenös verabreicht und findet Anwendung bei Operationen und diagnostischen Eingriffen. Charakteristisch sind der rasche Wirkungseintritt und die kurze Wirkdauer. Propofol wird auch zur Sedierung auf Intensivstationen eingesetzt. Es eignet sich für Erwachsene und Kinder und bietet eine gute Steuerbarkeit der Narkosetiefe.
[Zum Glossareintrag] + Remifentanil)
Zusätzliche Hinweise
Ein Übergang zu postoperativer Analgesie (z. B. PiritramidPiritramid
Piritramid ist ein synthetisches Opioid-Analgetikum, das hauptsächlich in der postoperativen Schmerztherapie eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine gute analgetische Wirksamkeit bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen aus. Piritramid wird in einigen europäischen Ländern häufig als Alternative zu Morphin verwendet, insbesondere in der Schmerzbehandlung nach chirurgischen Eingriffen.
[Zum Glossareintrag] oder SufentanilSufentanil
Sufentanil ist ein hochpotentes synthetisches Opioid-Analgetikum, das in der Anästhesie und Intensivmedizin eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine sehr starke schmerzlindernde Wirkung, einen schnellen Wirkungseintritt und eine relativ kurze Wirkdauer aus. Sufentanil findet Anwendung bei der Einleitung und Aufrechterhaltung von Narkosen sowie in der postoperativen Schmerztherapie und bei der Analgosedierung beatmeter Intensivpatienten.
[Zum Glossareintrag]) muss rechtzeitig geplant werden.
Quellen und weiterführende Literatur
- https://www.rote-liste.de
- https://www.bfarm.de
- https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Remifentanil
- https://www.fachinfo.de
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK537061/

Schreibe einen Kommentar