Procain

Procain ist ein LokalanästhetikumLokalanästhetikum
Medikament zur reversiblen Blockade von Natriumkanälen und damit der Nervenleitung. Vertreter: Lidocain, Bupivacain, Ropivacain. Einsatz in Infiltrations-, Leitungs- und Regionalanästhesie.
[Zum Glossareintrag], das zur örtlichen Betäubung in der Medizin eingesetzt wird. Es wurde 1905 von Alfred Einhorn entwickelt und war eines der ersten synthetischen Lokalanästhetika. Procain wird häufig in der Zahnmedizin und bei kleineren chirurgischen Eingriffen verwendet.
Allgemeine Informationen
- Wirkstoffname: Procain
- Handelsnamen: Novocain, Syncain
- Wirkstoffklasse: Lokalanästhetikum vom Estertyp
- Molekularformel: C13H20N2O2
Pharmakologie
- PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
[Zum Glossareintrag]: Schnelle Absorption, geringe Plasmaproteinbindung - PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
[Zum Glossareintrag]: Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle - Wirkmechanismus: Hemmung der Erregungsleitung in Nervenfasern
- Wirkungseintritt: 5-10 Minuten
- Wirksamkeitsdauer: 30-60 Minuten
- Metabolismus: Hydrolytische Spaltung durch Pseudocholinesterasen
- Ausscheidung: Renal als Metaboliten
Aussehen
- Farbloses, kristallines Pulver
Erhältliche Konzentrationen
- 0,5%, 1%, 2% Injektionslösung
Anwendungsgebiete
- InfiltrationsanästhesieInfiltrationsanästhesie
Die Infiltrationsanästhesie ist ein lokalanästhetisches Verfahren, bei dem Lokalanästhetikum schichtweise in das Gewebe rund um das Operationsgebiet injiziert wird. Dadurch werden freie Nervenendigungen blockiert; das Verfahren ist technisch einfach und wird bei kleineren chirurgischen oder zahnärztlichen Eingriffen häufig eingesetzt.
[Zum Glossareintrag] - LeitungsanästhesieLeitungsanästhesie
Gezielte Blockade eines peripheren Nervs oder Nervenplexus durch Injektion eines Lokalanästhetikums. Ermöglicht analgesie oder Anästhesie eines definierten Areals; wichtig bei extremitätennahen OPs.
[Zum Glossareintrag] - OberflächenanästhesieOberflächenanästhesie
Bei der Oberflächenanästhesie wird ein Lokalanästhetikum direkt auf Schleimhäute oder die Haut aufgetragen. Es blockiert vorübergehend freie Nervenendigungen ohne Injektion und eignet sich z. B. für Endoskopien, Katheterisierungen oder kleinere zahnärztliche Eingriffe. Die Wirkung bleibt auf die oberflächlichen Schichten begrenzt.
[Zum Glossareintrag]
Dosierung
- Erwachsene:
- Infiltrationsanästhesie: 5-200 mg
- Leitungsanästhesie: 25-200 mg
- Kinder:
- Maximaldosis: 7 mg/kg Körpergewicht
Nebenwirkungen
- Häufig: Allergische Reaktionen
- Weniger häufig: Schwindel, Übelkeit
- Selten: Methämoglobinämie
Kontraindikationen
- Absolut: Überempfindlichkeit gegen Procain oder andere Esterlokalanästhetika
- Relativ: Schwere Leber- oder Niereninsuffizienz
Wechselwirkungen
- Verstärkung der Wirkung von Muskelrelaxantien
- Abschwächung der Wirkung von Sulfonamiden
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Vorsicht bei Patienten mit Cholinesterasemangel
- Vorsicht bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen
LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
[Zum Glossareintrag]
- Lichtgeschützt, bei Raumtemperatur
Missbrauchspotential
- Gering
Sonstiges
- Historisch bedeutsam als eines der ersten synthetischen Lokalanästhetika
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