18. Juli 2025

Piritramid

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PiritramidPiritramid
Piritramid ist ein synthetisches Opioid-Analgetikum, das hauptsächlich in der postoperativen Schmerztherapie eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine gute analgetische Wirksamkeit bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen aus. Piritramid wird in einigen europäischen Ländern häufig als Alternative zu Morphin verwendet, insbesondere in der Schmerzbehandlung nach chirurgischen Eingriffen.
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ist ein stark wirksames, halbsynthetisches OpioidOpiat
Opiate sind starke Schmerzmittel, die direkt aus dem Opium (z. B. Morphin, Codein) gewonnen werden. Im klinischen Alltag wird der Begriff oft unscharf auch für synthetische Opioide verwendet. Sie wirken über Opioidrezeptoren im ZNS und sind fester Bestandteil vieler anästhesiologischer Verfahren.
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-Analgetikum, das vor allem in der postoperativen SchmerztherapieSchmerztherapie
Schmerztherapie umfasst alle Maßnahmen zur Linderung akuter und chronischer Schmerzen, z. B. systemische Analgetika, Regionalanästhesie, PCA und nicht-medikamentöse Verfahren. Im perioperativen Setting steht die multimodale Analgesie im Vordergrund.
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Anwendung findet. Es ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreitet und stellt aufgrund seiner Wirkdauer und relativ geringen Histaminfreisetzung eine gängige Alternative zu MorphinMorphin
Stark wirksames Opioid und Referenzsubstanz der Opioidanalgesie. Wirkt analgetisch, sedierend und anxiolytisch, mit vergleichsweise langsamer Anflutung und längerer Wirkdauer. Typische Nebenwirkungen: Übelkeit, Obstipation, Atemdepression.
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dar. In der AnästhesieKreissystem
Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
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wird es häufig zur Einleitung und zur postoperativen AnalgesieAnalgesie
Analgesie bezeichnet den Zustand der Schmerzfreiheit oder deutlich reduzierten Schmerzempfindung bei erhaltenem Bewusstsein. Sie kann medikamentös, z. B. durch Opioide und Nicht-Opioid-Analgetika, oder regionalanästhesiologisch erreicht werden und ist ein zentrales Ziel der perioperativen Versorgung.
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verwendet.

Allgemeine Informationen

Wirkstoffname (INN): Piritramid
Handelsnamen: DipidolorPiritramid
Piritramid ist ein synthetisches Opioid-Analgetikum, das hauptsächlich in der postoperativen Schmerztherapie eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine gute analgetische Wirksamkeit bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen aus. Piritramid wird in einigen europäischen Ländern häufig als Alternative zu Morphin verwendet, insbesondere in der Schmerzbehandlung nach chirurgischen Eingriffen.
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®
Wirkstoffklasse: stark wirksames halbsynthetisches Opioid
Molekularformel: C23H30N2O2
Organoleptische Eigenschaften: klare, farblose Lösung
Erscheinungsform: Injektionslösung (Ampullen mit 7,5 mg/ml oder 15 mg/ml)

Morphin-Potenz

Piritramid ist etwa 0,7-fach bis 1-fach so potent wie Morphin. Das bedeutet, dass es in etwa dieselbe analgetische Wirkung entfaltet, jedoch häufig besser vertragen wird. Seine Potenz liegt leicht unter der von Morphin, was bei der Umrechnung und Opioidrotation zu berücksichtigen ist.

Pharmakologie

Piritramid wirkt als agonistisches Opioid über Bindung an μ-Opioidrezeptoren und entfaltet eine analgetische Wirkung auf Rückenmarksebene und im zentralen Nervensystem. Es ist nicht mit Morphin verwandt, besitzt aber ein ähnliches Wirkungsspektrum. Seine vergleichsweise geringe Histaminfreisetzung macht es kreislaufstabiler und besser verträglich bei kardiovaskulär gefährdeten Patienten.

PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
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Wirkmechanismus: Agonist an μ-Opioidrezeptoren
Wirkungseintritt: innerhalb von 2–5 Minuten i.v.
Wirkdauer: ca. 6–8 Stunden (teils bis 12 h)
Besonderheiten: relativ geringe Histaminfreisetzung, kaum Juckreiz

PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
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Bioverfügbarkeit: i.m. 80–90 %, oral nicht verwendet
Metabolisierung: hepatisch, inaktive Metaboliten
Halbwertszeit: ca. 3–10 Stunden
Ausscheidung: renal und biliär

Erhältliche Konzentrationen und Zubereitungen

  • 7,5 mg/ml Injektionslösung (Ampulle zu 1 ml, 2 ml)
  • 15 mg/ml Injektionslösung (Ampulle zu 1 ml)

Anwendungsgebiete

  • Postoperative Schmerztherapie
  • Schwere akute Schmerzen in der Notfallmedizin
  • Schmerzhafte diagnostische oder therapeutische Eingriffe

Dosierung

Erwachsene:
– i.v.-BolusBolusgabe
Bolusgabe bedeutet die schnelle Verabreichung einer definierten Medikamentenmenge, etwa zur Analgesie oder Kreislaufstabilisierung.
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: 3,75–15 mg langsam
– i.m.: 7,5–15 mg alle 4–6 Stunden
PCAPatient-Controlled Analgesia
Bei der Patient-Controlled Analgesia (PCA) kann der Patient selbst über eine programmierte Pumpe Analgetika, meist Opioide, in festgelegten Dosen und mit Sperrzeiten applizieren. Ziel ist eine bedarfsgerechte Schmerztherapie mit hoher Patientenzufriedenheit und kontrolliertem Nebenwirkungsprofil.
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: individuelle Dosis nach Klinikstandard (z. B. 1 mg pro Hub, Sperrzeit 10 min)

Kinder:
– 0,05–0,2 mg/kg KG i.v. oder i.m., Anwendung alters- und gewichtsabhängig
– Nur unter stationärer ÜberwachungMonitoring
Kontinuierliche Überwachung physiologischer Parameter wie EKG, Blutdruck, SpO₂, Atemfrequenz, Kapnographie und Temperatur während Anästhesie oder Intensivtherapie, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
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Hinweis: Die Dosierung ist individuell anzupassen. Eine Überwachung auf AtemdepressionAtemdepression
Atemdepression bezeichnet eine durch zentrale oder periphere Ursachen reduzierte Atemtätigkeit mit Hypoventilation. Häufig ist sie medikamentös bedingt, etwa durch Opioide, Benzodiazepine oder Anästhetika, und erfordert je nach Ausprägung Sauerstoffgabe, Stimulationsmaßnahmen oder medikamentöse Antagonisierung.
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ist essenziell, besonders bei i.v.-GabeGabe
Unter Gabe versteht man die Verabreichung eines Medikaments über einen definierten Applikationsweg wie oral, intravenös, intramuskulär oder rektal. Sie erfolgt nach klaren Dosierungsrichtlinien und ist zentraler Bestandteil sicherer medikamentöser Therapie.
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oder bei multimodaler SedierungSedierung
Sedierung bezeichnet die medikamentöse Dämpfung des zentralen Nervensystems, bei der der Patient beruhigt ist, aber je nach Tiefe ansprechbar bleiben kann. Ziele sind Angst- und Stressreduktion sowie bessere Toleranz von Eingriffen. Sie erfordert angepasstes Monitoring und Airway-Management.
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.

Nebenwirkungen

  • Atemdepression
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Obstipation
  • Schläfrigkeit, Benommenheit
  • Seltener: Halluzinationen, paradoxe Erregung

Wechselwirkungen

  • Verstärkte Sedierung in Kombination mit Benzodiazepinen, PropofolPropofol
    Propofol ist ein schnell wirkendes Narkosemittel zur Einleitung und Aufrechterhaltung von Vollnarkosen. Es wird intravenös verabreicht und findet Anwendung bei Operationen und diagnostischen Eingriffen. Charakteristisch sind der rasche Wirkungseintritt und die kurze Wirkdauer. Propofol wird auch zur Sedierung auf Intensivstationen eingesetzt. Es eignet sich für Erwachsene und Kinder und bietet eine gute Steuerbarkeit der Narkosetiefe.
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    , MidazolamBenzodiazepin
    Benzodiazepine sind sedierende, anxiolytische und antikonvulsive Medikamente, die in der Anästhesie zur Prämedikation und Sedierung eingesetzt werden. Sie können Atemdepression und Delir begünstigen.
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  • Alkoholkonsum kann die zentraldämpfende Wirkung potenzieren
  • Andere OpioideOpioide
    Opioide Analgetika spielen eine zentrale Rolle in der modernen Anästhesie und perioperativen Schmerztherapie. Als potente Schmerzmittel entfalten sie ihre Wirkung primär über die Bindung an Opioidrezeptoren, insbesondere μ-Rezeptoren, im zentralen Nervensystem.
    [Zum Glossareintrag]
    können die Wirkung verstärken oder abschwächen (Rotation beachten)

Kontraindikationen

  • Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Piritramid
  • Akute Intoxikation mit Alkohol oder ZNSZentralnervensystem
    Das Zentralnervensystem (ZNS) umfasst Gehirn und Rückenmark. Es ist Hauptangriffspunkt vieler Anästhetika und Analgetika und steuert Bewusstsein, Schmerzempfinden sowie lebenswichtige Reflexe.
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    -dämpfenden Substanzen
  • Schwere Atemdepression ohne Sicherung der Atemwege

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

  • Strenge Überwachung nach i.v.-Gabe bei opioidnaiven Patienten
  • Opioidrotation sorgfältig durchführen (Umrechnungsfaktor berücksichtigen)
  • Bei älteren Menschen niedrig dosieren

Lagerungshinweise

  • Bei Raumtemperatur (15–25 °C), lichtgeschützt lagern
  • Nach Anbruch rasch verwenden

Missbrauchspotenzial / Betäubungsmittelrecht

Piritramid ist ein Betäubungsmittel gemäß BtMG und unterliegt den entsprechenden Vorschriften für LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
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, Dokumentation und Abgabe.

Sonstiges / Besonderheiten

  • Weit verbreitet in der postoperativen Schmerztherapie im deutschsprachigen Raum
  • Kann per PerfusorPerfusor
    Ein Perfusor ist eine Spritzenpumpe zur präzisen, kontinuierlichen oder intermittierenden Medikamentengabe, z. B. von Vasopressoren, Sedativa oder Analgetika. Er ermöglicht eine exakte Dosierung über längere Zeiträume.
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    , PCA oder intermittierend appliziert werden
  • Keine oralen Darreichungsformen erhältlich

Zusätzliche Hinweise

Die antitussive Wirkung von Piritramid ist gering, es wird deshalb nicht zur Sedierung des Hustenreflexes verwendet.

Quellen und weiterführende Literatur

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