Pethidin

Pethidin ist ein vollsynthetisches OpioidOpiat
Opiate sind starke Schmerzmittel, die direkt aus dem Opium (z. B. Morphin, Codein) gewonnen werden. Im klinischen Alltag wird der Begriff oft unscharf auch für synthetische Opioide verwendet. Sie wirken über Opioidrezeptoren im ZNS und sind fester Bestandteil vieler anästhesiologischer Verfahren.
[Zum Glossareintrag]-Analgetikum, das zur Behandlung akuter, mittelstarker bis starker Schmerzen eingesetzt wird. Es gehört zu den älteren Opioiden und wurde ursprünglich als Alternative zu MorphinMorphin
Stark wirksames Opioid und Referenzsubstanz der Opioidanalgesie. Wirkt analgetisch, sedierend und anxiolytisch, mit vergleichsweise langsamer Anflutung und längerer Wirkdauer. Typische Nebenwirkungen: Übelkeit, Obstipation, Atemdepression.
[Zum Glossareintrag] entwickelt. In der modernen AnästhesieKreissystem
Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
[Zum Glossareintrag] hat es aufgrund ungünstiger Nebenwirkungen und Metaboliten eine untergeordnete Bedeutung, wird aber in speziellen Situationen noch verwendet.
Allgemeine Informationen
Wirkstoffname (INN): Pethidin (international: Meperidin)
Handelsnamen: Dolantin®, Meperidin® (nicht in DE), diverse Generika
Wirkstoffklasse: vollsynthetisches Opioid-Analgetikum
Molekularformel: C15H21NO2
Organoleptische Eigenschaften: farblose bis gelbliche Lösung
Erscheinungsform: Injektionslösung (Ampullen), Tabletten nur außerhalb Deutschlands
Pharmakologie
Pethidin wirkt primär über eine agonistische Bindung an μ-Opioidrezeptoren und erzeugt eine morphinähnliche AnalgesieAnalgesie
Analgesie bezeichnet den Zustand der Schmerzfreiheit oder deutlich reduzierten Schmerzempfindung bei erhaltenem Bewusstsein. Sie kann medikamentös, z. B. durch Opioide und Nicht-Opioid-Analgetika, oder regionalanästhesiologisch erreicht werden und ist ein zentrales Ziel der perioperativen Versorgung.
[Zum Glossareintrag]. Wegen der Bildung des neurotoxischen Metaboliten Norpethidin ist es für eine längerfristige GabeGabe
Unter Gabe versteht man die Verabreichung eines Medikaments über einen definierten Applikationsweg wie oral, intravenös, intramuskulär oder rektal. Sie erfolgt nach klaren Dosierungsrichtlinien und ist zentraler Bestandteil sicherer medikamentöser Therapie.
[Zum Glossareintrag] ungeeignet. In der Anästhesie wird es heute kaum noch verwendet, kann aber in der Geburtshilfe oder bei Opioidrotation zum Einsatz kommen.
PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
[Zum Glossareintrag]
Wirkmechanismus: μ-Opioidrezeptor-Agonist
Wirkungseintritt: nach i.v.-Gabe innerhalb von 3–10 Minuten
Wirkdauer: ca. 2–4 Stunden
Besonderheiten: anticholinerge Effekte wie Tachykardie, geringere Miosis im Vergleich zu Morphin
PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
[Zum Glossareintrag]
Bioverfügbarkeit oral: ca. 50 %
Metabolisierung: hepatisch zu Norpethidin (neurotoxisch)
Halbwertszeit: 2–5 Stunden (Pethidin), bis zu 20 Stunden (Norpethidin)
Ausscheidung: renal
Erhältliche Konzentrationen und Zubereitungen
50 mg/ml Injektionslösung (1 ml- oder 2 ml-Ampullen)
Orale Formen wie Tabletten sind in Deutschland nicht mehr erhältlich
Anwendungsgebiete
- Akute Schmerzen (z. B. Koliken, postoperativ)
- Geburtshilfe (mit Vorsicht)
- Reserveanalgetikum bei Opioidrotation
- Seltene Anwendung in der Anästhesie
Dosierung
Erwachsene:
i.v.: 25–100 mg langsam
i.m./s.c.: 50–150 mg alle 4–6 Stunden
Kinder:
0,5–1 mg/kg Körpergewicht (sehr zurückhaltende Anwendung)
Hinweis: Dosierung ist individuell anzupassen, insbesondere bei NierenNieren
Der obere Harntrakt bildet den ersten Abschnitt des menschlichen Harnsystems und umfasst die Nieren sowie die Harnleiter (Ureter). Diese anatomischen Strukturen sind für die Bildung, Konzentrierung und den Transport des Urins verantwortlich. Darüber hinaus übernehmen die Nieren zahlreiche Aufgaben im Rahmen der Homöostase.
[Zum Glossareintrag]- oder Leberfunktionsstörungen.
Nebenwirkungen
- Übelkeit, Erbrechen
- SedierungSedierung
Sedierung bezeichnet die medikamentöse Dämpfung des zentralen Nervensystems, bei der der Patient beruhigt ist, aber je nach Tiefe ansprechbar bleiben kann. Ziele sind Angst- und Stressreduktion sowie bessere Toleranz von Eingriffen. Sie erfordert angepasstes Monitoring und Airway-Management.
[Zum Glossareintrag], AtemdepressionAtemdepression
Atemdepression bezeichnet eine durch zentrale oder periphere Ursachen reduzierte Atemtätigkeit mit Hypoventilation. Häufig ist sie medikamentös bedingt, etwa durch Opioide, Benzodiazepine oder Anästhetika, und erfordert je nach Ausprägung Sauerstoffgabe, Stimulationsmaßnahmen oder medikamentöse Antagonisierung.
[Zum Glossareintrag] - Tachykardie, HypotonieHypotonie
Hypotonie bezeichnet einen pathologisch niedrigen Blutdruck mit Risiko für unzureichende Organperfusion. Unter Anästhesie tritt sie häufig durch Vasodilatation, Blutverlust oder Medikamentenwirkung auf und wird mit Volumen, Vasopressoren oder Anpassung der Anästhesietiefe behandelt.
[Zum Glossareintrag] - Krampfanfälle durch Norpethidin
- Verwirrtheit, insbesondere bei älteren Patienten
Wechselwirkungen
- Lebensbedrohlich mit MAO-Hemmern (Kontraindikation!)
- Verstärkte Wirkung mit zentraldämpfenden Substanzen
- Risiko eines Serotonin-Syndroms bei Kombination mit serotonergen Medikamenten
Kontraindikationen
- Therapie mit MAO-Hemmern (auch bis 14 Tage nach Absetzen)
- Epilepsie oder Krampfneigung
- Schwere Leber- oder Niereninsuffizienz
- Kinder unter 1 Jahr
- Ateminsuffizienz
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Akkumulation von Norpethidin bei Niereninsuffizienz möglich
- Kein Einsatz bei chronischer SchmerztherapieSchmerztherapie
Schmerztherapie umfasst alle Maßnahmen zur Linderung akuter und chronischer Schmerzen, z. B. systemische Analgetika, Regionalanästhesie, PCA und nicht-medikamentöse Verfahren. Im perioperativen Setting steht die multimodale Analgesie im Vordergrund.
[Zum Glossareintrag] - Nur kurzfristige Anwendung empfohlen
- Engmaschige ÜberwachungMonitoring
Kontinuierliche Überwachung physiologischer Parameter wie EKG, Blutdruck, SpO₂, Atemfrequenz, Kapnographie und Temperatur während Anästhesie oder Intensivtherapie, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
[Zum Glossareintrag] von AtmungRespiration
Respiration bezeichnet den Prozess des Gasaustauschs über die Lunge: Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid. Sie ist lebenswichtig für den Zellstoffwechsel und wird im OP und auf Intensivstation kontinuierlich überwacht.
[Zum Glossareintrag] und Bewusstsein erforderlich
Lagerungshinweise
- Lichtgeschützt bei Raumtemperatur lagern
- Nach Anbruch sofort verwenden
- Nicht einfrieren
Missbrauchspotenzial / Betäubungsmittelrecht
Pethidin unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Verschreibung, Abgabe und LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
[Zum Glossareintrag] sind BtM-pflichtig.
Sonstiges / Besonderheiten
- Norpethidin ist ein neurotoxischer Metabolit
- Heute weitgehend durch sicherere OpioideOpioide
Opioide Analgetika spielen eine zentrale Rolle in der modernen Anästhesie und perioperativen Schmerztherapie. Als potente Schmerzmittel entfalten sie ihre Wirkung primär über die Bindung an Opioidrezeptoren, insbesondere μ-Rezeptoren, im zentralen Nervensystem.
[Zum Glossareintrag] ersetzt - In der Geburtshilfe in bestimmten Fällen noch gebräuchlich
Zusätzliche Hinweise
DIVI-Farbcode: Orange (Opioide)
Pflichtkennzeichnung: BtM, Wechselwirkungen beachten

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