Local Anesthetic Systemic Toxicity (LAST)

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LASTLokalanästhetika-Intoxikation
Systemische Toxizität nach Überdosierung oder intravasaler Injektion von Lokalanästhetika. Symptome: metallischer Geschmack, Tinnitus, Krämpfe, Arrhythmien, Kreislaufstillstand. Therapie: Lipidrescue.
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ist eine systemische Vergiftung durch Lokalanästhetika, die entsteht, wenn zu viel Wirkstoff in den KreislaufKreislauf
Der Kreislauf umfasst Herz und Blutgefäße und dient dem Transport von Sauerstoff, Nährstoffen, CO₂ und Medikamenten. In der Anästhesie stehen hämodynamische Stabilität und Organperfusion im Mittelpunkt.
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gelangt — meist durch intravasale Injektion, selten auch durch Überdosierung oder schnelle Resorption aus stark durchblutetem Gewebe. Sie ist selten, aber lebensbedrohlich.

Pathophysiologie (kurz und knapp)

Lokalanästhetika blockieren Natriumkanäle. Werden sie in toxischer Konzentration systemisch, betrifft das:

ZNSZentralnervensystem
Das Zentralnervensystem (ZNS) umfasst Gehirn und Rückenmark. Es ist Hauptangriffspunkt vieler Anästhetika und Analgetika und steuert Bewusstsein, Schmerzempfinden sowie lebenswichtige Reflexe.
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  • frühe Erregung → späte Depression
  • Krampfanfälle häufig erstes schweres Symptom
  • metabolische AzidoseAzidose
    Azidose bezeichnet eine Absenkung des Blut-pH-Werts unter den Normbereich und kann respiratorische (CO₂-Anstieg) oder metabolische Ursachen (z. B. Laktatanstieg) haben. Sie beeinträchtigt Herzfunktion, Gefäßtonus und Medikamentenwirkung und muss im perioperativen Setting durch Behandlung der Ursache und ggf. Pufferung adressiert werden.
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    verstärkt Toxizität

Herz-Kreislauf-System

  • Myokarddepression
  • verlängerte Reizleitung
  • schwere Arrhythmien
  • KreislaufstillstandKreislaufstillstand
    Beim Kreislaufstillstand kommt es zu einem abrupten Ausfall der Blutzirkulation. Er ist lebensbedrohlich und erfordert sofortige Reanimation nach aktuellen Leitlinien.
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    möglich

Frühe Symptome (Red Flags)

ZNS:

  • periorale Taubheit
  • metallischer Geschmack
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Agitiertheit, Sprachstörungen
  • später: Krämpfe → Bewusstlosigkeit

Kardiovaskulär:

  • Kardiovaskulär:
  • Tachykardie → Bradykardie
  • HypotonieHypotonie
    Hypotonie bezeichnet einen pathologisch niedrigen Blutdruck mit Risiko für unzureichende Organperfusion. Unter Anästhesie tritt sie häufig durch Vasodilatation, Blutverlust oder Medikamentenwirkung auf und wird mit Volumen, Vasopressoren oder Anpassung der Anästhesietiefe behandelt.
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  • Weite QRS-Komplexe
  • ventrikuläre Arrhythmien
  • Kreislaufstillstand

Risikofaktoren

  • versehentliche intravasale Injektion
  • hohe Dosen, besonders Bupivacain, RopivacainRopivacain
    Ropivacain ist ein langwirksames Lokalanästhetikum mit relativ stärker sensorischer als motorischer Blockade. Es wird häufig für periphere Nervenblockaden und kontinuierliche Regionalanalgesien eingesetzt und besitzt ein günstigeres kardiotoxisches Profil als Bupivacain.
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    , LevobupivacainLevobupivacain
    Lang wirksames Lokalanästhetikum der Amidgruppe mit geringerer Kardiotoxizität als racemisches Bupivacain. Einsatz für Regional- und Leitungsanästhesie.
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  • hohe vaskuläre Resorption (Interkostalblock, Plexusblock hoch zervikal …)
  • Leberinsuffizienz
  • Hypalbuminämie
  • Schwangerschaft
  • Extremes Alter (Neonaten, alte Patienten)

Therapie nach ASRA (klinischer Alltag)

  1. Erkennen – STOPPEN – Notruf!
  2. Airway / Oxygenation
    – 100% O₂
    – frühzeitig IntubationIntubation
    Intubation bezeichnet das Einführen eines Tubus in die Trachea zur Sicherung der Atemwege. Sie erfolgt meist unter direkter oder videounterstützter Laryngoskopie und ermöglicht kontrollierte Beatmung und Schutz vor Aspiration.
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    erwägen
    HypoxieHypoxie
    Hypoxie beschreibt einen Sauerstoffmangel im Gewebe, der trotz normaler oder erniedrigter Blutwerte auftreten kann. Sie gefährdet besonders Gehirn, Herz und Niere und zeigt sich klinisch unter anderem durch Unruhe, Tachykardie und Bewusstseinsstörungen.
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    & Azidose vermeiden (verstärken Toxizität!)
  3. Krampfanfall-Therapie
    – Benzodiazepine bevorzugt
    – KEIN PropofolPropofol
    Propofol ist ein schnell wirkendes Narkosemittel zur Einleitung und Aufrechterhaltung von Vollnarkosen. Es wird intravenös verabreicht und findet Anwendung bei Operationen und diagnostischen Eingriffen. Charakteristisch sind der rasche Wirkungseintritt und die kurze Wirkdauer. Propofol wird auch zur Sedierung auf Intensivstationen eingesetzt. Es eignet sich für Erwachsene und Kinder und bietet eine gute Steuerbarkeit der Narkosetiefe.
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    in großen Dosen, v. a. bei instabilem Kreislauf

CPR nach ACLS-Regeln

ABER:

  • keine VasopressinVasopressin
    Vasopressin (antidiuretisches Hormon, ADH) wirkt über V1-Rezeptoren vasokonstriktorisch und über V2-Rezeptoren antidiuretisch. Es wird bei refraktärer Hypotonie, z. B. im septischen Schock oder beim Vasoplegiesyndrom, eingesetzt und hat keine direkte positiv inotrope Wirkung.
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  • keine Calciumkanalblocker
  • keine Beta-BlockerBeta-Blocker
    Betablocker senken Herzfrequenz und Blutdruck, indem sie β-Rezeptoren blockieren. Perioperativ müssen Dosis, Absetzen und Interaktionen mit anderen Kreislaufmedikamenten beachtet werden.
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Lipid RescueIntralipid-Rescue
Intralipid-Rescue ist ein Therapiekonzept zur Behandlung einer systemischen Lokalanästhetika-Toxizität (LAST). Dabei wird eine Fettemulsion (z. B. Intralipid) intravenös verabreicht, um lipophile Lokalanästhetika zu binden und deren toxische Wirkung auf Herz und ZNS zu reduzieren.
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(20% Lipidemulsion)

Kernbestandteil der Therapie!
Initial:

  • BolusBolusgabe
    Bolusgabe bedeutet die schnelle Verabreichung einer definierten Medikamentenmenge, etwa zur Analgesie oder Kreislaufstabilisierung.
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    : 1,5 mL/kg i.v. über 1 min
  • InfusionInfusion
    Eine Infusion ist die kontinuierliche oder intermittierende Verabreichung von Flüssigkeiten und Medikamenten direkt in die Blutbahn. Sie dient der Volumentherapie, Kreislaufstabilisierung, Elektrolytsubstitution und der kontrollierten Gabe von Arzneimitteln.
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    : 0,25 mL/kg/min

Bei Persistenz:

  • Bolus wiederholen (1–2×)
  • Infusion auf 0,5 mL/kg/min erhöhen

Fortführen:

  • mindestens 10 min nach Stabilisierung
  • maximale Gesamtmenge: 10–12 mL/kg in 30 min

Mechanismus (vereinfacht):

  • Lipid sink“: lipophile LAs werden aus dem Gewebe/Herz herausgezogen
  • Verbesserung der Myokardenergieversorgung
  • pharmakologische Membran-Stabilisierung

Prävention

  • AspirationAspiration
    Aspiration bezeichnet das Einatmen von Fremdmaterial wie Mageninhalt, Blut oder Sekret in die Atemwege. Sie kann zu akuter Hypoxie, Bronchospasmus oder Aspirationspneumonie führen und stellt einen schwerwiegenden anästhesiologischen Zwischenfall dar, dem durch Nüchternheitsregeln, Atemwegssicherung und Lagerung vorgebeugt wird.
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    vor jeder Injektion
  • fraktionierte GabeGabe
    Unter Gabe versteht man die Verabreichung eines Medikaments über einen definierten Applikationsweg wie oral, intravenös, intramuskulär oder rektal. Sie erfolgt nach klaren Dosierungsrichtlinien und ist zentraler Bestandteil sicherer medikamentöser Therapie.
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  • Ultraschallführung nutzen
  • niedrigere Konzentrationen bei Risikopatienten
  • Lipid Rescue immer griffbereit (auch im OP, Notaufnahme, Intensiv)
  • LA-Menge streng nach KG/Pharmakologie berechnen

Welche Lokalanästhetika sind riskanter?

Höhere Kardiotoxizität:

  • Bupivacain (klassischer „Killer“)
  • Levobupivacain
  • Ropivacain (etwas sicherer, aber nicht harmlos)

Niedrigere Kardiotoxizität:

  • LidocainLidocain
    Mittel- bis langwirksames Lokalanästhetikum mit schneller Anflutung. Einsetzbar für Infiltrations-, Leitungs- und Regionalanästhesie sowie zur antiarrhythmischen Therapie (Klasse Ib).
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  • MepivacainMepivacain
    Mittel- bis langwirksames Lokalanästhetikum mit relativ geringer Vasodilatation. Geeignet für Infiltrations-, Leitungs- und Regionalanästhesie.
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  • PrilocainPrilocain
    Prilocain ist ein mittelwirksames Lokalanästhetikum, das für Infiltrations-, Leitungs- und Regionalanästhesien eingesetzt wird. Bei hohen Dosen oder bestimmten Risikofaktoren kann eine Methämoglobinämie auftreten.
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  • Articain (kurze Wirkdauer, schnelle Metabolisierung)

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