14. August 2025

Lachgas – einst unverzichtbar, heute nur noch selten im Einsatz

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LachgasLachgas
Lachgas, auch als Distickstoffmonoxid bekannt, ist ein farbloses Gas, das seit langer Zeit in der Medizin als Anästhetikum und Analgetikum verwendet wird. Es zeichnet sich durch eine schnelle Anflutung und eine milde analgetische Wirkung aus.
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, auch Distickstoffmonoxid genannt, ist ein farbloses Gas mit schwach süßlichem Geruch, das seit über 150 Jahren in der Medizin eingesetzt wird – sowohl als InhalationsanästhetikumInhalationsanästhetikum
Ein Inhalationsanästhetikum ist ein einzelnes volatiles Anästhetikum wie Sevofluran oder Isofluran, das über die Atemwege verabreicht wird. Es dient vor allem der Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie und lässt sich über seine endtidale Konzentration gut steuern und überwachen.
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 als auch als Analgetikum. Es zeichnet sich durch eine sehr schnelle Anflutung, eine milde bis mittlere analgetische Wirkung und eine gute Steuerbarkeit aus. Die Bedeutung hat in den letzten Jahren aufgrund alternativer Verfahren und ökologischer Aspekte jedoch stark abgenommen. 

Allgemeine Informationen

  • Wirkstoffname: Distickstoffmonoxid

  • Molekularformel: N₂OLachgas
    Lachgas, auch als Distickstoffmonoxid bekannt, ist ein farbloses Gas, das seit langer Zeit in der Medizin als Anästhetikum und Analgetikum verwendet wird. Es zeichnet sich durch eine schnelle Anflutung und eine milde analgetische Wirkung aus.
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  • Handelsnamen: keine spezifischen Handelsnamen für reines medizinisches Lachgas; Gemisch N₂O/O₂ als Entonox® bekannt

  • Wirkstoffklasse: InhalationsanästhetikaInhalationsanästhetika
    Inhalationsanästhetika wirken auf verschiedene Zielstrukturen im Zentralnervensystem. Sie beeinflussen vermutlich GABA-, Glycin-, Glutamat- und NMDA-Rezeptoren im ZNS. Dies führt zu hypnotischen, analgetischen, muskelrelaxierenden und reflexdämpfenden Effekten.
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    , AnalgetikaAnalgetika
    Analgetika sind Medikamente zur Behandlung von Schmerzen, die je nach Wirkmechanismus in Nicht-Opioid-Analgetika, Opioide und Koanalgetika unterteilt werden. In der Anästhesie werden sie zur intra- und postoperativen Schmerztherapie eingesetzt und häufig im multimodalen Konzept kombiniert, um Nebenwirkungen zu minimieren.
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  • Geruch: schwach süßlich

Pharmakologie

PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
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  • Sehr schnelle Aufnahme und Abgabe über die LungeLunge
    Zentrales Organ für Gasaustausch, Sauerstoffaufnahme und CO₂-Abgabe. In der Anästhesie Fokus für Ventilation, Oxygenierung und postoperative Komplikationen.
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  • Keine nennenswerte metabolische Umwandlung

PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
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  • AnalgesieAnalgesie
    Analgesie bezeichnet den Zustand der Schmerzfreiheit oder deutlich reduzierten Schmerzempfindung bei erhaltenem Bewusstsein. Sie kann medikamentös, z. B. durch Opioide und Nicht-Opioid-Analgetika, oder regionalanästhesiologisch erreicht werden und ist ein zentrales Ziel der perioperativen Versorgung.
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    , SedierungSedierung
    Sedierung bezeichnet die medikamentöse Dämpfung des zentralen Nervensystems, bei der der Patient beruhigt ist, aber je nach Tiefe ansprechbar bleiben kann. Ziele sind Angst- und Stressreduktion sowie bessere Toleranz von Eingriffen. Sie erfordert angepasstes Monitoring und Airway-Management.
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    , schwach narkotische Wirkung

  • Wirkeintritt: Sekunden bis wenige Minuten

  • Wirkdauer: kurz, Abklingen nach Absetzen rasch

  • Wirkmechanismus: vor allem Hemmung von NMDA-Rezeptoren; vermutete Beteiligung von GABA-Rezeptoren und endogenen OpioidOpiat
    Opiate sind starke Schmerzmittel, die direkt aus dem Opium (z. B. Morphin, Codein) gewonnen werden. Im klinischen Alltag wird der Begriff oft unscharf auch für synthetische Opioide verwendet. Sie wirken über Opioidrezeptoren im ZNS und sind fester Bestandteil vieler anästhesiologischer Verfahren.
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    -Systemen. Neben NMDA-Hemmung spielt auch die Aktivierung von dopaminergen Systemen eine Rolle (daher euphorisierende Wirkung bei Missbrauch).

Ausscheidung

  • Über die Atemwege (exhalativ)

Erscheinungsbild und Darreichung

  • Aussehen: farblos, schwach süßlich riechend

  • Erhältliche Konzentrationen:

    • Gemische mit Sauerstoff, oft 50:50 (Entonox®)

    • Reines Lachgas in Druckgasflaschen oder Gasversorgungsanlagen

Anwendungsgebiete

  • Kurzfristige Analgesie bei schmerzhaften oder unangenehmen Eingriffen (z. B. in der Notaufnahme, Geburtshilfe, Zahnmedizin)

  • Sedierung bei stark ängstlichen Patienten oder ausgeprägtem Würgereiz

  • Ergänzung zu Allgemeinanästhesien, um den Bedarf an potenteren Anästhetika zu senken

Dosierung

  • Konzentrationen bis zu 70% Lachgas in Sauerstoff möglich (üblich meist 30–50%)

  • Dosierung wird individuell titriert

  • Anwendung bei Kindern und Erwachsenen mit vergleichbarer Dosierung möglich

Nebenwirkungen

  • Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen

  • Weniger häufig: HypoxieHypoxie
    Hypoxie beschreibt einen Sauerstoffmangel im Gewebe, der trotz normaler oder erniedrigter Blutwerte auftreten kann. Sie gefährdet besonders Gehirn, Herz und Niere und zeigt sich klinisch unter anderem durch Unruhe, Tachykardie und Bewusstseinsstörungen.
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    bei unsachgemäßer Anwendung

  • Selten: Diffusionshypoxie bei abruptem Absetzen

  • Sonstige Risiken: Erfrierungen bei direktem Kontakt mit verflüssigtem Gas, neurologische Symptome bei chronischer oder wiederholter hoher Exposition (durch Hemmung der Vitamin-B12-abhängigen Methioninsynthase)

Kontraindikationen

Absolut:

  • PneumothoraxPneumothorax
    Beim Pneumothorax tritt Luft in den Pleuraspalt ein und führt zum Kollaps der betroffenen Lunge. Klinisch zeigt sich Dyspnoe, abgeschwächtes Atemgeräusch und ggf. Kreislaufinstabilität. Es handelt sich um einen akuten Notfall, der meist die Anlage einer Thoraxdrainage erfordert.
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  • Luftembolie

  • Schwere Vitamin-B12-Mangelzustände

  • Lufteinschlüsse im Schädel (z. B. Pneumozephalus)

Relativ:

  • Schwangerschaft (besonders im 1. und 2. Trimester)

  • Erhöhter intrakranieller DruckErhöhter intrakranieller Druck
    Erhöhter intrakranieller Druck gefährdet die zerebrale Perfusion und erfordert Maßnahmen wie Kopfhochlagerung, CO₂-Steuerung und osmotische Therapie.
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  • Eingeschränkte Nasenatmung

  • Mittelohrentzündungen oder Zustand nach Augenoperation mit intraokulärer Gasfüllung

  • Schwere Lungenerkrankungen (z. B. COPD)

  • Bestimmte schwere psychische Erkrankungen oder fehlende Kooperationsfähigkeit

Wechselwirkungen

  • Potenzierung anderer Anästhetika und Analgetika

  • Hemmung von Vitamin-B12-abhängigen Enzymen bei längerer Anwendung → Risiko für neurologische und hämatologische Schäden

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

  • Mindestens 30% Sauerstoffzufuhr, um Hypoxie zu vermeiden

  • Kontinuierliche ÜberwachungMonitoring
    Kontinuierliche Überwachung physiologischer Parameter wie EKG, Blutdruck, SpO₂, Atemfrequenz, Kapnographie und Temperatur während Anästhesie oder Intensivtherapie, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
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    der SauerstoffsättigungSauerstoffsättigung
    Die Sauerstoffsättigung (SpO₂/SaO₂) beschreibt den prozentualen Anteil des Hämoglobins, der mit Sauerstoff beladen ist. Normalwerte liegen meist bei 95–100 %. Sie ist ein zentraler Parameter im Anästhesie-Monitoring zur Beurteilung der Oxygenierung.
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  • Langzeitanwendung vermeiden

LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
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  • In Druckgasflaschen bei Raumtemperatur

  • Vor direkter Sonneneinstrahlung und Hitze schützen

Missbrauchspotential

  • Missbrauch als Rauschmittel („Hippiegas“) bekannt

  • Akute Risiken: Hypoxie, Koordinationsstörungen, Unfallgefahr

  • Chronische Risiken: Neurologische Schäden durch Vitamin-B12-Inaktivierung

Sonstiges

  • Verwendung in der Zahnmedizin und Geburtshilfe lange üblich

  • Diffundiert leicht in luftgefüllte Körperräume oder den Cuff des EndotrachealtubusEndotrachealtubus
    Ein Schlauch zur Sicherung der Atemwege, wird bei Intubation in die Luftröhre eingeführt.
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    → kann dort den Druck erhöhen

  • Einsatz in der modernen AnästhesieKreissystem
    Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
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    stark rückläufig aufgrund ökologischer Bedenken und verfügbarer Alternativen. Lachgas ist ~300-mal klimaschädlicher als CO₂ und verbleibt ~120 Jahre in der Atmosphäre. Daher wird sein Einsatz zunehmend kritisch gesehen.

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