Ketamin / Esketamin / S-Ketamin

KetaminKetamin
Ketamin ist ein dissoziatives Anästhetikum mit analgetischer und psychotroper Wirkung. Es wird zur Narkoseeinleitung, Analgosedierung und Schmerztherapie eingesetzt. S-Ketamin (Esketamin) ist das pharmakologisch aktivere Enantiomer des Ketamins mit höherer Potenz und geringeren Nebenwirkungen. Beide Formen finden in der Anästhesie, Notfall- und Schmerzmedizin Anwendung.
[Zum Glossareintrag] ist ein dissoziatives Anästhetikum mit analgetischer und psychotroper Wirkung. Es wird zur NarkoseeinleitungNarkoseeinleitung
Phase, in der durch Gabe von Anästhetika der Narkosezustand hergestellt wird. Meist intravenös (z. B. Propofol) oder inhalativ, kombiniert mit Analgetikum und ggf. Muskelrelaxans.
[Zum Glossareintrag], Analgosedierung und SchmerztherapieSchmerztherapie
Schmerztherapie umfasst alle Maßnahmen zur Linderung akuter und chronischer Schmerzen, z. B. systemische Analgetika, Regionalanästhesie, PCA und nicht-medikamentöse Verfahren. Im perioperativen Setting steht die multimodale Analgesie im Vordergrund.
[Zum Glossareintrag] eingesetzt. S-Ketamin (Esketamin) ist das pharmakologisch aktivere Enantiomer des Ketamins mit höherer Potenz und geringeren Nebenwirkungen. Beide Formen finden in der AnästhesieKreissystem
Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
[Zum Glossareintrag], Notfall- und Schmerzmedizin Anwendung.


Allgemeine Informationen
- Wirkstoffname: Ketamin (Racemat), S-Ketamin (Esketamin)
- Handelsnamen: KetanestKetamin
Ketamin ist ein dissoziatives Anästhetikum mit analgetischer und psychotroper Wirkung. Es wird zur Narkoseeinleitung, Analgosedierung und Schmerztherapie eingesetzt. S-Ketamin (Esketamin) ist das pharmakologisch aktivere Enantiomer des Ketamins mit höherer Potenz und geringeren Nebenwirkungen. Beide Formen finden in der Anästhesie, Notfall- und Schmerzmedizin Anwendung.
[Zum Glossareintrag], Ketanest S, Spravato (Esketamin-Nasenspray) - Wirkstoffklasse: Dissoziatives Anästhetikum, NMDA-Rezeptor-Antagonist
- Molekularformel: C13H16ClNO
Pharmakologie
- PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
[Zum Glossareintrag]: Schnelle Verteilung, hepatische Metabolisierung - PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
[Zum Glossareintrag]: Antagonismus am NMDA-Rezeptor, Wirkung auf Opioidrezeptoren - Wirkmechanismus: Blockade des NMDA-Rezeptors, Modulation der Glutamat-Neurotransmission
- Wirkungseintritt: 30-60 Sekunden (i.v.), 2-5 Minuten (i.m.)
- Wirksamkeitsdauer: 10-15 Minuten (i.v.), 15-25 Minuten (i.m.)
- Metabolismus: Hepatisch durch CYP3A4 und CYP2B6
- Ausscheidung: Renal als Metaboliten
Aussehen
- Klare, farblose Lösung
Erhältliche Konzentrationen
- Ketamin: 10 mg/ml, 50 mg/ml, 100 mg/ml
- S-Ketamin: 5 mg/ml, 25 mg/ml
Anwendungsgebiete
- Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung
- Analgosedierung
- Schmerztherapie (akut und chronisch)
- Behandlung therapieresistenter Depression (Esketamin-Nasenspray)
Dosierung
Erwachsene:
- Narkoseeinleitung: 1-2 mg/kg KG (Ketamin), 0,5-1 mg/kg KG (S-Ketamin) i.v.
- Analgosedierung: 0,25-0,5 mg/kg KG (Ketamin), 0,125-0,25 mg/kg KG (S-Ketamin) i.v.
Kinder:
- Narkoseeinleitung: 2-4 mg/kg KG (Ketamin), 1-2 mg/kg KG (S-Ketamin) i.v.
Nebenwirkungen
- Häufig: Psychomimetische Effekte (Halluzinationen, Träume), Nystagmus, Speichelfluss
- Weniger häufig: Hypertonie, Tachykardie, Übelkeit
- Selten: LaryngospasmusLaryngospasmus
Reflektorischer Verschluss der Stimmritze durch Verkrampfung der Kehlkopfmuskulatur. Führt zu akuter Atemwegsobstruktion mit Stridor oder kompletter Stille; sofortiges Management erforderlich.
[Zum Glossareintrag], allergische Reaktionen
Kontraindikationen
- Absolut: Allergie gegen Ketamin, schwere Hypertonie, PräeklampsiePräeklampsie
Die Präeklampsie ist eine schwangerschaftsbedingte Hypertonie mit Organbeteiligung (z. B. Niere, Leber, ZNS). Sie erhöht das Risiko für Mutter und Kind und erfordert engmaschige Überwachung, Blutdruckkontrolle und eine angepasste Anästhesiestrategie.
[Zum Glossareintrag] - Relativ: Psychische Erkrankungen, erhöhter intrakranieller Druck, Glaukom
Wechselwirkungen
- Verstärkung der Wirkung durch andere Anästhetika und ZNSZentralnervensystem
Das Zentralnervensystem (ZNS) umfasst Gehirn und Rückenmark. Es ist Hauptangriffspunkt vieler Anästhetika und Analgetika und steuert Bewusstsein, Schmerzempfinden sowie lebenswichtige Reflexe.
[Zum Glossareintrag]-dämpfende Substanzen
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- ÜberwachungMonitoring
Kontinuierliche Überwachung physiologischer Parameter wie EKG, Blutdruck, SpO₂, Atemfrequenz, Kapnographie und Temperatur während Anästhesie oder Intensivtherapie, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
[Zum Glossareintrag] der Vitalfunktionen - Vorsicht bei Patienten mit Psychosen oder anderen psychiatrischen Erkrankungen
Missbrauchspotential
Ketamin weist ein beträchtliches Missbrauchspotential auf, das auf seinen dissoziativen und halluzinogenen Eigenschaften beruht. Als Partydroge wird es unter Bezeichnungen wie „Special K“, „Vitamin K“ oder „K“ konsumiert. Folgende Faktoren verstärken das Missbrauchsrisiko:
- Psychische Abhängigkeit kann sich bei längerem, nicht medizinischem Gebrauch entwickeln.
- Toleranzbildung tritt bei regelmäßigem Konsum auf, was zu steigenden Dosen führt.
- Die euphorisierende Wirkung und veränderte Wahrnehmung machen Ketamin für manche Konsumenten attraktiv.
- Trotz Illegalität ist Ketamin relativ leicht erhältlich.
- Das intensive „K-Hole“-Erlebnis wird von einigen Konsumenten gezielt gesucht.
- Missbrauch als K.o.-Tropfen kommt vor.
Gesundheitliche Risiken und mögliche Langzeitfolgen wie Gedächtnisprobleme, Blasenschäden und psychische Störungen verschärfen die Problematik. Der Mischkonsum mit anderen Substanzen erhöht zusätzlich die Gefahr lebensbedrohlicher Zustände.
Unterschiede zwischen Ketamin und Esketamin
Esketamin ist das S(+)-Isomer von Ketamin und hat eine etwa doppelt so starke Affinität zum NMDA-Rezeptor wie das R(-)-Isomer. Dies führt zu einer stärkeren analgetischen und anästhetischen Wirkung, wodurch niedrigere Dosen erforderlich sind, um die gleichen Effekte wie mit racemischem Ketamin zu erzielen. Esketamin hat auch ein günstigeres Nebenwirkungsprofil, insbesondere was die psychotomimetischen Effekte betrifft. Aufgrund dieser Vorteile wird Esketamin zunehmend zur Behandlung von therapieresistenten Depressionen eingesetzt, wobei es intranasal verabreicht wird.

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