Cormack-Lehane-Score: Klassifikation der Kehlkopfsicht bei der Intubation

<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cormack-Lehane-larinqoskopiya.jpg">User:Tubus</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons. Bearbeitung: ATA-Forum
Der Cormack-Lehane-Score ist ein etabliertes Klassifikationssystem zur Beschreibung der Sicht auf den KehlkopfLarynx
Kehlkopf zwischen Rachen und Trachea; schützt die unteren Atemwege, ermöglicht Phonation und ist zentral für Atemwegssicherung und Intubationstechnik.
[Zum Glossareintrag] bei der direkten LaryngoskopieLaryngoskopie
Direkte instrumentelle Darstellung des Kehlkopfes zur Einführung eines Endotrachealtubus. Erfordert korrekte Positionierung, ausreichende Relaxation und Erfahrung.
[Zum Glossareintrag]. Er wurde 1984 von Cormack und Lehane eingeführt und dient der standardisierten Dokumentation der Intubationsbedingungen.
Definition
Der Score bewertet, wie gut sich die Stimmbänder und Strukturen des Kehlkopfs während einer Laryngoskopie darstellen lassen.
Er umfasst vier Grade (I–IVIntravenös
Intravenös bedeutet, dass ein Medikament oder eine Flüssigkeit direkt in eine Vene verabreicht wird. Dies ermöglicht einen schnellen Wirkungseintritt und eine gute Steuerbarkeit und ist daher der häufigste Applikationsweg in der Anästhesie.
[Zum Glossareintrag]), die anhand der sichtbaren anatomischen Strukturen definiert sind. Damit liefert er eine schnelle Einschätzung der Schwierigkeit einer endotrachealen IntubationIntubation
Intubation bezeichnet das Einführen eines Tubus in die Trachea zur Sicherung der Atemwege. Sie erfolgt meist unter direkter oder videounterstützter Laryngoskopie und ermöglicht kontrollierte Beatmung und Schutz vor Aspiration.
[Zum Glossareintrag].
Zielsetzung
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Standardisierung: Einheitliche Beschreibung der Kehlkopfsicht zwischen Anästhesist:innen und in der Dokumentation.
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Prädiktion: Einschätzung, ob eine schwierige Intubation vorliegt oder zu erwarten ist.
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Vergleichbarkeit: Für Forschung, Ausbildung und Qualitätskontrolle.
Klassifikation (klassische Einteilung)
Interpretation
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Grad I–II: Meist problemlos intubierbar, evtl. kleine Hilfsmittel nötig (z. B. Führungsstab).
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Grad III–IV: Erhöhtes Risiko für eine schwierige Intubation, oft alternative Techniken erforderlich (z. B. VideolaryngoskopieVideolaryngoskopie
Unter Videolaryngoskopie versteht man die Intubation mit Hilfe eines Videolaryngoskops. Die indirekte Sicht auf die Stimmbänder über den Monitor verbessert die Darstellung bei ungünstigen anatomischen Verhältnissen.
[Zum Glossareintrag], flexible BronchoskopieBronchoskopie
Die Bronchoskopie erlaubt die direkte Sicht auf Trachea und Bronchien. Sie wird zur Diagnostik, Fremdkörperentfernung oder Intubationshilfe eingesetzt.
[Zum Glossareintrag]).
Modifizierte Klassifikation
Die modifizierte Cormack-Lehane-Klassifikation unterteilt Grad II in:
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IIa: Hintere Stimmbänder sichtbar.
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IIb: Nur Aryknorpel und Stimmbandansätze sichtbar.
→ Diese Differenzierung erhöht die Genauigkeit bei der RisikoabschätzungRisikoabschätzung
Unter Risikoabschätzung versteht man die Bewertung des individuellen Patientenrisikos vor einem Eingriff anhand von Anamnese, Klinik, Diagnostik und Klassifikationen (z. B. ASA, RCRI). Sie dient der Planung des Anästhesieverfahrens und perioperativer Maßnahmen.
[Zum Glossareintrag].
Praktischer Einsatz
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Erhebung erfolgt während der direkten Laryngoskopie, meist im OP oder Notfallsetting.
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Dokumentation im AnästhesieprotokollAnästhesieprotokoll
Das Anästhesieprotokoll ist die lückenlose schriftliche oder elektronische Dokumentation des perioperativen Verlaufs aus Sicht der Anästhesie. Es enthält Angaben zu Patientendaten, Narkoseverfahren, Medikamenten, Vitalparametern, Besonderheiten und Komplikationen und dient sowohl der Patientensicherheit als auch der rechtlichen Nachvollziehbarkeit.
[Zum Glossareintrag]. -
Dient als Rückmeldung für zukünftige Eingriffe, um die Wahl der Intubationsmethode zu optimieren.
Beispiel
Ein Patient wird zur Appendektomie intubiert.
Bei der Laryngoskopie zeigt sich nur die Epiglottis, keine Stimmbänder → Grad III.
Konsequenz: Einsatz eines Videolaryngoskops beim nächsten Eingriff empfohlen.
Fazit
Der Cormack-Lehane-Score ist ein einfaches, international genutztes Instrument zur Beschreibung der Sichtverhältnisse bei der direkten Laryngoskopie. Er ermöglicht eine schnelle Einschätzung der Intubationsschwierigkeit und hilft, zukünftige AnästhesieverfahrenAnästhesieverfahren
Anästhesieverfahren umfassen die konkreten Methoden der Narkoseführung, z. B. inhalative oder totale intravenöse Anästhesie, Spinal- oder Periduralanästhesie. Die Auswahl richtet sich nach Eingriff, Patientenzustand und vorhandener Expertise und wird im Rahmen der Aufklärung mit dem Patienten besprochen.
[Zum Glossareintrag] besser zu planen. Die modifizierte Version bietet eine feinere Abstufung, besonders bei mittleren Schwierigkeitsgraden.

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