Chloroprocain

Chloroprocain ist ein schnell wirkendes LokalanästhetikumLokalanästhetikum
Medikament zur reversiblen Blockade von Natriumkanälen und damit der Nervenleitung. Vertreter: Lidocain, Bupivacain, Ropivacain. Einsatz in Infiltrations-, Leitungs- und Regionalanästhesie.
[Zum Glossareintrag] vom Estertyp. Es wurde als Weiterentwicklung von Procain eingeführt und zeichnet sich durch eine kürzere Wirkdauer aus. Chloroprocain findet hauptsächlich Anwendung in der Geburtshilfe und bei kurzen chirurgischen Eingriffen.
Allgemeine Informationen
- Wirkstoffname: Chloroprocain
- Handelsnamen: Nesacaine, Chloroprocaine
- Wirkstoffklasse: Lokalanästhetikum vom Estertyp
- Molekularformel: C13H19ClN2O2
Pharmakologie
- PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
[Zum Glossareintrag]: Schnelle Absorption und Metabolisierung - PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
[Zum Glossareintrag]: Blockade von Natriumkanälen in Nervenmembranen - Wirkmechanismus: Hemmung der Erregungsleitung in Nervenfasern
- Wirkungseintritt: 6-12 Minuten
- Wirksamkeitsdauer: 30-60 Minuten
- Metabolismus: Hydrolytische Spaltung durch Pseudocholinesterasen
- Ausscheidung: Renal als Metaboliten
Aussehen
- Weißes, kristallines Pulver
Erhältliche Konzentrationen
- 1%, 2%, 3% Injektionslösung
Anwendungsgebiete
- EpiduralanästhesieEpiduralanästhesie
Die Epiduralanästhesie ist ein Regionalanästhesieverfahren mit Injektion von Lokalanästhetika in den Epiduralraum. Sie ermöglicht segmentale Analgesie und Katheternachdosierung.
[Zum Glossareintrag] - SpinalanästhesieIntrathekalblockade
Die Intrathekalblockade ist die Injektion eines Lokalanästhetikums in den Subarachnoidalraum mit direktem Kontakt zum Liquor. Sie führt zu einer schnellen und dichten Blockade sensibler und motorischer Nerven und entspricht der klassischen Spinalanästhesie mit begrenzter Wirkdauer.
[Zum Glossareintrag] - Periphere Nervenblockaden
Dosierung
- Erwachsene:
- Epiduralanästhesie: 300–900 mg
- Spinalanästhesie: 30–50 mg
- Kinder:
- Maximaldosis: 20 mg/kg Körpergewicht
Nebenwirkungen
- Häufig: Hypotension, Bradykardie
- Weniger häufig: Übelkeit, Erbrechen
- Selten: Allergische Reaktionen
Kontraindikationen
- Absolut: Überempfindlichkeit gegen Chloroprocain oder andere Esterlokalanästhetika
- Relativ: Schwere Herz-KreislaufKreislauf
Der Kreislauf umfasst Herz und Blutgefäße und dient dem Transport von Sauerstoff, Nährstoffen, CO₂ und Medikamenten. In der Anästhesie stehen hämodynamische Stabilität und Organperfusion im Mittelpunkt.
[Zum Glossareintrag]-Erkrankungen
Wechselwirkungen
- Verstärkung der Wirkung durch MAO-HemmerMAO-Hemmer
Antidepressiva, die den Abbau von Monoaminen (z. B. Serotonin, Noradrenalin, Dopamin) hemmen. In der Anästhesie wichtig wegen zahlreicher Interaktionen und des Risikos für hypertensive Krisen und Serotoninsyndrom, insbesondere mit Sympathomimetika und bestimmten Opioiden.
[Zum Glossareintrag] - Abschwächung der Wirkung durch Barbiturate
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Vorsicht bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion
- Regelmäßige ÜberwachungMonitoring
Kontinuierliche Überwachung physiologischer Parameter wie EKG, Blutdruck, SpO₂, Atemfrequenz, Kapnographie und Temperatur während Anästhesie oder Intensivtherapie, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
[Zum Glossareintrag] der Vitalfunktionen während der Anwendung
LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
[Zum Glossareintrag]
- Bei Raumtemperatur, vor Licht geschützt
Missbrauchspotential
- Gering
Sonstiges
-Schnellerer Wirkungseintritt und kürzere Wirkdauer im Vergleich zu Procain
Schlagworte

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