7. August 2025

Balancierte Anästhesie

Einleitung

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis wird geladen …

Die balancierte AnästhesieKreissystem
Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
[Zum Glossareintrag]
ist ein etabliertes AnästhesieverfahrenAnästhesieverfahren
Anästhesieverfahren umfassen die konkreten Methoden der Narkoseführung, z. B. inhalative oder totale intravenöse Anästhesie, Spinal- oder Periduralanästhesie. Die Auswahl richtet sich nach Eingriff, Patientenzustand und vorhandener Expertise und wird im Rahmen der Aufklärung mit dem Patienten besprochen.
[Zum Glossareintrag]
, das durch die Kombination verschiedener intravenöser und inhalativer Wirkstoffe eine gezielte Steuerung von Hypnose, AnalgesieAnalgesie
Analgesie bezeichnet den Zustand der Schmerzfreiheit oder deutlich reduzierten Schmerzempfindung bei erhaltenem Bewusstsein. Sie kann medikamentös, z. B. durch Opioide und Nicht-Opioid-Analgetika, oder regionalanästhesiologisch erreicht werden und ist ein zentrales Ziel der perioperativen Versorgung.
[Zum Glossareintrag]
, Amnesie und Muskelrelaxation ermöglicht. Ziel ist eine stabile, kontrollierbare AnästhesietiefeAnästhesietiefe
Die Anästhesietiefe beschreibt den Grad der Bewusstseins- und Reflexdämpfung während einer Narkose. Sie kann klinisch (Pupillenreaktion, Bewegung, vegetative Zeichen) und mit Monitoringverfahren wie BIS oder EEG-basierten Indizes eingeschätzt werden, um Awareness und Überdosierung zu vermeiden.
[Zum Glossareintrag]
mit reduzierter Nebenwirkungsrate. Das Verfahren wird in der klinischen Praxis routinemäßig bei einer Vielzahl chirurgischer Eingriffe eingesetzt.

Definition und Grundprinzip

Die balancierte Anästhesie basiert auf einem multimodalen Konzept: Hypnotika, OpioideOpioide
Opioide Analgetika spielen eine zentrale Rolle in der modernen Anästhesie und perioperativen Schmerztherapie. Als potente Schmerzmittel entfalten sie ihre Wirkung primär über die Bindung an Opioidrezeptoren, insbesondere μ-Rezeptoren, im zentralen Nervensystem.
[Zum Glossareintrag]
und ggf. MuskelrelaxanzienMuskelrelaxanzien
Gruppe von Medikamenten, die die neuromuskuläre Erregungsübertragung blockieren, um eine Erschlaffung der Skelettmuskulatur zu erzielen. Unterteilt in depolarisierende (z. B. Succinylcholin) und nicht-depolarisierende Substanzen (z. B. Rocuronium).
[Zum Glossareintrag]
werden so kombiniert, dass ihre jeweiligen Wirkungen optimal genutzt und unerwünschte Effekte minimiert werden. Die Einleitung erfolgt typischerweise intravenös, die Aufrechterhaltung inhalativ mit volatilen Anästhetika. Durch die individuelle Dosierbarkeit der Komponenten kann die Anästhesietiefe flexibel an operative Reize und Patientenfaktoren angepasst werden.

Indikationen

  • Elektive und notfallmäßige Operationen mit mittlerem bis hohem schmerzhaftem Reizpotenzial
  • Langandauernde chirurgische Eingriffe
  • Eingriffe mit notwendiger Muskelrelaxation (z. B. laparoskopische Operationen)
  • Standardverfahren in der AllgemeinanästhesieAllgemeinanästhesie
    Die Allgemeinanästhesie ist ein reversibler Zustand, der durch Medikamente gezielt herbeigeführt wird. Sie umfasst Bewusstlosigkeit, Schmerzfreiheit (Analgesie), Amnesie und Reflexdämpfung. Das zentrale Nervensystem wird kontrolliert ausgeschaltet, um operative Eingriffe ohne Belastung für den Patienten zu ermöglichen. Die Beatmung erfolgt meist kontrolliert.
    [Zum Glossareintrag]

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen:

  • Bekannte maligne Hyperthermie (volatiles Anästhetikum kontraindiziert; Anästhesie mit ausschließlich intravenösen Mitteln (TIVATIVA
    TIVA (Totale intravenöse Anästhesie) bezeichnet eine Narkose, die ausschließlich mit intravenös verabreichten Medikamenten (z. B. Propofol, Remifentanil) durchgeführt wird. Sie wird in der Regel über Perfusoren gesteuert und ist bei PONV-Risiko oder neurochirurgischen Eingriffen besonders beliebt.
    [Zum Glossareintrag]
    ) ist möglich)

Relative Kontraindikationen:

  • Stoffwechselerkrankungen mit Kontraindikation gegen einzelne Wirkstoffe
  • Allergien gegen verwendete Substanzen
  • Schwere Leber- oder Nierenerkrankungen (je nach Substanzwahl)

Vorbereitung

  • Präoperative Anamnese, körperliche Untersuchung und Risikoklassifikation (z. B. ASA-Score)
  • Aufklärung gemäß gesetzlichen Vorgaben
  • Gerätekontrolle und Medikamentenvorbereitung
  • MonitoringMonitoring
    Kontinuierliche Überwachung physiologischer Parameter wie EKG, Blutdruck, SpO₂, Atemfrequenz, Kapnographie und Temperatur während Anästhesie oder Intensivtherapie, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
    [Zum Glossareintrag]
    : EKGEKG
    Das Elektrokardiogramm (EKG) registriert die elektrische Herzaktivität und dient der Erkennung von Rhythmusstörungen, Ischämien und Leitungsstörungen. Es ist ein Standardmonitor im OP.
    [Zum Glossareintrag]
    , SpO₂, NIBPNichtinvasive Blutdruckmessung (NIBP)
    Oszillometrische Messung des arteriellen Blutdrucks mit einer Oberarm- oder Unterarmmanschette. Standardmonitoring im OP und auf der ITS, meist alle 3–5 Minuten.
    [Zum Glossareintrag]
    , Kapnometrie, ggf. RelaxometrieRelaxometrie
    Die Relaxometrie misst die neuromuskuläre Übertragung und dient der Steuerung von Muskelrelaxanzien. Häufig wird der Train-of-Four (TOF) verwendet, bei dem die Antwort des Muskels auf vier schnelle elektrische Stimuli beurteilt wird. So lassen sich Tiefe und Rückbildung der Blockade objektiv einschätzen.
    [Zum Glossareintrag]
    , BIS, TemperaturTemperatur
    Die Körpertemperatur ist ein zentraler Vitalparameter. Perioperativ wird sie überwacht, um Hypo- oder Hyperthermie und damit verbundene Komplikationen wie Blutungsneigung, Infektionen oder verzögerte Aufwachphase zu vermeiden.
    [Zum Glossareintrag]
  • Peripherer venöser Zugang, ggf. arterielle Kanüle

Durchführung

Einleitung:

  • IntravenösIntravenös
    Intravenös bedeutet, dass ein Medikament oder eine Flüssigkeit direkt in eine Vene verabreicht wird. Dies ermöglicht einen schnellen Wirkungseintritt und eine gute Steuerbarkeit und ist daher der häufigste Applikationsweg in der Anästhesie.
    [Zum Glossareintrag]
    mit PropofolPropofol
    Propofol ist ein schnell wirkendes Narkosemittel zur Einleitung und Aufrechterhaltung von Vollnarkosen. Es wird intravenös verabreicht und findet Anwendung bei Operationen und diagnostischen Eingriffen. Charakteristisch sind der rasche Wirkungseintritt und die kurze Wirkdauer. Propofol wird auch zur Sedierung auf Intensivstationen eingesetzt. Es eignet sich für Erwachsene und Kinder und bietet eine gute Steuerbarkeit der Narkosetiefe.
    [Zum Glossareintrag]
    , EtomidatEtomidat
    Etomidat ist ein kurz wirksames Injektionsanästhetikum, das hauptsächlich zur Narkoseeinleitung verwendet wird. Es zeichnet sich durch seine hämodynamische Stabilität aus und wird besonders bei Patienten mit eingeschränkter Herzfunktion oder Kreislaufinstabilität eingesetzt. Etomidat hat eine schnelle Anschlagszeit und kurze Wirkdauer.
    [Zum Glossareintrag]
    , ThiopentalBarbiturat
    Barbiturate sind ältere Hypnotika, die heute v.a. in der Neuroanästhesie und zur Anfallsunterbrechung genutzt werden. Sie senken den zerebralen Stoffwechsel und den intrakraniellen Druck, können aber Atem- und Kreislaufdepression verursachen.
    [Zum Glossareintrag]
    oder KetaminKetamin
    Ketamin ist ein dissoziatives Anästhetikum mit analgetischer und psychotroper Wirkung. Es wird zur Narkoseeinleitung, Analgosedierung und Schmerztherapie eingesetzt. S-Ketamin (Esketamin) ist das pharmakologisch aktivere Enantiomer des Ketamins mit höherer Potenz und geringeren Nebenwirkungen. Beide Formen finden in der Anästhesie, Notfall- und Schmerzmedizin Anwendung.
    [Zum Glossareintrag]
  • GabeGabe
    Unter Gabe versteht man die Verabreichung eines Medikaments über einen definierten Applikationsweg wie oral, intravenös, intramuskulär oder rektal. Sie erfolgt nach klaren Dosierungsrichtlinien und ist zentraler Bestandteil sicherer medikamentöser Therapie.
    [Zum Glossareintrag]
    eines Opioids (z. B. SufentanilSufentanil
    Sufentanil ist ein hochpotentes synthetisches Opioid-Analgetikum, das in der Anästhesie und Intensivmedizin eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine sehr starke schmerzlindernde Wirkung, einen schnellen Wirkungseintritt und eine relativ kurze Wirkdauer aus. Sufentanil findet Anwendung bei der Einleitung und Aufrechterhaltung von Narkosen sowie in der postoperativen Schmerztherapie und bei der Analgosedierung beatmeter Intensivpatienten.
    [Zum Glossareintrag]
    , RemifentanilRemifentanil
    Remifentanil ist ein hochpotentes, synthetisches Opioid-Analgetikum, das sich durch seine ultrakurze Wirkdauer auszeichnet. Es wird hauptsächlich in der Anästhesie eingesetzt, wo seine schnelle An- und Abflutung eine präzise Steuerung der Schmerzausschaltung ermöglicht. Remifentanil findet besonders bei kurzen chirurgischen Eingriffen und in der Intensivmedizin Anwendung.
    [Zum Glossareintrag]
    , FentanylFentanyl
    Fentanyl ist ein hochpotentes synthetisches Opioid-Analgetikum, das in der Anästhesie und Schmerztherapie eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine etwa 100-fach stärkere analgetische Wirkung als Morphin aus. Fentanyl wird sowohl bei der Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung als auch zur Behandlung starker chronischer Schmerzen verwendet. Es ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Injektionslösungen, Pflaster und Nasensprays.
    [Zum Glossareintrag]
    )
  • Ggf. MuskelrelaxansMuskelrelaxans
    Einzelnes Medikament, das die neuromuskuläre Übertragung blockiert und eine vorübergehende Erschlaffung der Skelettmuskulatur bewirkt, z. B. zur Erleichterung der Intubation oder bei großen OPs.
    [Zum Glossareintrag]
    zur IntubationIntubation
    Intubation bezeichnet das Einführen eines Tubus in die Trachea zur Sicherung der Atemwege. Sie erfolgt meist unter direkter oder videounterstützter Laryngoskopie und ermöglicht kontrollierte Beatmung und Schutz vor Aspiration.
    [Zum Glossareintrag]
    (z. B. RocuroniumRocuronium
    Rocuronium ist ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans mit schnellem Wirkungseintritt und mittlerer Wirkdauer. Es wird in der Anästhesie zur Erleichterung der Intubation und zur Muskelrelaxation während Operationen eingesetzt. Rocuronium wirkt durch kompetitive Hemmung der Acetylcholinrezeptoren an der motorischen Endplatte und kann durch Sugammadex antagonisiert werden
    [Zum Glossareintrag]
    , alternativ SuccinylcholinSuccinylcholin
    Suxamethonium, auch bekannt als Succinylcholin, ist ein depolarisierendes Muskelrelaxans mit sehr schnellem Wirkungseintritt und kurzer Wirkdauer. Es wird hauptsächlich für die Blitzintubation verwendet.
    [Zum Glossareintrag]
    bei Rapid Sequence InductionRapid Sequence Induction (RSI)
    Die Rapid Sequence Induction (RSI) ist eine Narkoseeinleitung mit besonderem Aspirationsschutz. Sie umfasst vollständige Präoxygenierung, schnelle Gabe der Einleitungsmedikamente ohne Maskenbeatmung, sofortige Intubation und ggf. Krikoiddruck, um das Aspirationsrisiko bei nicht nüchternen Patienten zu reduzieren.
    [Zum Glossareintrag]
    )

Aufrechterhaltung:

  • Volatiles Anästhetikum (z. B. SevofluranSevofluran
    Sevofluran ist ein modernes inhalatives Anästhetikum mit einem angenehmen Geruch, das häufig bei der Anästhesieinduktion und -aufrechterhaltung eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch eine schnelle Anflutung und gute Steuerbarkeit aus.
    [Zum Glossareintrag]
    , IsofluranIsofluran
    Isofluran ist ein halogenierter Ether, der in der modernen Anästhesie als inhalatives Anästhetikum eingesetzt wird. Es wird hauptsächlich zur Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie verwendet und zeichnet sich durch eine moderate hypnotische und muskelrelaxierende Wirkung aus.
    [Zum Glossareintrag]
    , DesfluranDesfluran
    Desfluran ist ein inhalatives Anästhetikum, das vor allem durch seine extrem schnelle Anflutung und Eliminierung charakterisiert ist. Es wird vor allem in der Allgemeinanästhesie eingesetzt.
    [Zum Glossareintrag]
    ) oder Kombination mit intravenösen Hypnotika
  • Kontinuierliche oder intermittierende Opioidgabe
  • Bedarfsadaptierte Relaxation

Ausleitung:

  • Absetzen der Anästhetika
  • Ggf. Antagonisierung des Relaxans (z. B. mit SugammadexSugammadex
    Sugammadex ist ein spezifisches Antidot für nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien vom Aminosteroid-Typ (z. B. Rocuronium, Vecuronium). Es kapselt das Relaxans im Plasma und ermöglicht eine rasche und zuverlässige Aufhebung der neuromuskulären Blockade.
    [Zum Glossareintrag]
    oder NeostigminNeostigmin
    Indirektes Parasympathomimetikum und Acetylcholinesterase-Hemmer zur Antagonisierung nicht-depolarisierender Muskelrelaxanzien. Wird meist mit einem Anticholinergikum kombiniert, um muskarinische Nebenwirkungen (Bradykardie, Sekretanstieg) zu begrenzen.
    [Zum Glossareintrag]
    bei nicht-depolarisierenden Relaxanzien)
  • Extubation bei ausreichender SpontanatmungSpontanatmung
    Spontanatmung ist die vom Patienten eigenständig erzeugte Atmung im Gegensatz zur vollständig kontrollierten maschinellen Beatmung. Sie kann unterstützt oder entlastet werden, z. B. durch Druckunterstützung.
    [Zum Glossareintrag]
    und Schutzreflexen

Pharmakologisches Konzept

  • Hypnotika: z. B. Propofol (GABA-A-Agonist), Etomidat, Thiopental (BarbituratBarbiturat
    Barbiturate sind ältere Hypnotika, die heute v.a. in der Neuroanästhesie und zur Anfallsunterbrechung genutzt werden. Sie senken den zerebralen Stoffwechsel und den intrakraniellen Druck, können aber Atem- und Kreislaufdepression verursachen.
    [Zum Glossareintrag]
    ), Ketamin (NMDA-Antagonist)
  • Opioide: z. B. Fentanyl, Sufentanil, Remifentanil (μ-Agonisten)
  • InhalationsanästhetikaInhalationsanästhetika
    Inhalationsanästhetika wirken auf verschiedene Zielstrukturen im Zentralnervensystem. Sie beeinflussen vermutlich GABA-, Glycin-, Glutamat- und NMDA-Rezeptoren im ZNS. Dies führt zu hypnotischen, analgetischen, muskelrelaxierenden und reflexdämpfenden Effekten.
    [Zum Glossareintrag]
    :
    Sevofluran, Isofluran, Desfluran (GABA-Modulation, aber auch andere Mechanismen, z. B. NMDA-Antagonismus bei XenonXenon
    Xenon ist ein Edelgas, das als inhalatives Anästhetikum verwendet wird. Es zeichnet sich durch seine hohe Sicherheit und eine geringe Beeinträchtigung physiologischer Funktionen aus, ist jedoch aufgrund der hohen Kosten selten im Einsatz.
    [Zum Glossareintrag]
    )
  • Muskelrelaxanzien: z. B. Rocuronium (nicht-depolarisierend), Succinylcholin (depolarisierend)

Die Kombination zielt auf eine additiv-synergistische Wirkung bei möglichst geringer Einzelstoffdosis ab.

ÜberwachungMonitoring
Kontinuierliche Überwachung physiologischer Parameter wie EKG, Blutdruck, SpO₂, Atemfrequenz, Kapnographie und Temperatur während Anästhesie oder Intensivtherapie, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
[Zum Glossareintrag]
& Monitoring

  • EKG zur Rhythmus- und Frequenzkontrolle
  • Nichtinvasive BlutdruckmessungNichtinvasive Blutdruckmessung (NIBP)
    Oszillometrische Messung des arteriellen Blutdrucks mit einer Oberarm- oder Unterarmmanschette. Standardmonitoring im OP und auf der ITS, meist alle 3–5 Minuten.
    [Zum Glossareintrag]
    (automatisch zyklisch)
  • SpO₂ mittels Pulsoximetrie
  • Kapnometrie (etCO₂Kapnographie (etCO₂)
    Die Messung des endexspiratorischen CO₂ (etCO₂) dient der sicheren Tubuslagekontrolle, der Steuerung der Beatmung und der Erkennung von Hypo- oder Hyperventilation. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil des intraoperativen Monitorings.
    [Zum Glossareintrag]
    )
  • Temperaturkontrolle zur HypothermiepräventionHypothermieprävention
    Hypothermieprävention umfasst Maßnahmen wie vorgewärmte Infusionen, aktive Luftwärmesysteme, Abdeckung des Patienten und frühe Wärmezufuhr im OP. Ziel ist die Aufrechterhaltung normothermer Bedingungen und die Reduktion perioperativer Komplikationen.
    [Zum Glossareintrag]
  • BIS (bispektrale Indexmessung) zur Abschätzung der Hypnosetiefe (optional, v. a. bei Risikopatienten oder langen Eingriffen)
  • Ggf. invasive Verfahren: arterielle Messung, ZVD, Relaxometrie

Komplikationen und Nebenwirkungen

Frühkomplikationen:

  • Atemwegsobstruktion, AspirationAspiration
    Aspiration bezeichnet das Einatmen von Fremdmaterial wie Mageninhalt, Blut oder Sekret in die Atemwege. Sie kann zu akuter Hypoxie, Bronchospasmus oder Aspirationspneumonie führen und stellt einen schwerwiegenden anästhesiologischen Zwischenfall dar, dem durch Nüchternheitsregeln, Atemwegssicherung und Lagerung vorgebeugt wird.
    [Zum Glossareintrag]
    , LaryngospasmusLaryngospasmus
    Reflektorischer Verschluss der Stimmritze durch Verkrampfung der Kehlkopfmuskulatur. Führt zu akuter Atemwegsobstruktion mit Stridor oder kompletter Stille; sofortiges Management erforderlich.
    [Zum Glossareintrag]
  • HypotonieHypotonie
    Hypotonie bezeichnet einen pathologisch niedrigen Blutdruck mit Risiko für unzureichende Organperfusion. Unter Anästhesie tritt sie häufig durch Vasodilatation, Blutverlust oder Medikamentenwirkung auf und wird mit Volumen, Vasopressoren oder Anpassung der Anästhesietiefe behandelt.
    [Zum Glossareintrag]
    , Bradykardie, Arrhythmien
  • PONV (postoperative Übelkeit und Erbrechen, häufig, ggf. AntiemetikaAntiemetika
    Antiemetika sind Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, z. B. nach Operationen oder Chemotherapie. Zu den wichtigsten Gruppen zählen 5-HT₃-Antagonisten, Dexamethason, Butyrophenone, Antihistaminika und NK1-Antagonisten; sie werden häufig im multimodalen PONV-Konzept kombiniert.
    [Zum Glossareintrag]
    )
  • Allergische Reaktionen, anaphylaktischer SchockSchock
    Ein Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand kritischer Gewebeminderperfusion, meist durch absoluten oder relativen Volumenmangel bzw. Pumpversagen. Folgen sind Zellschädigung, Laktatazidose und Organversagen. Therapie: rasche Volumengabe, Katecholamine und Beseitigung der Ursache.
    [Zum Glossareintrag]
    (selten, aber potenziell lebensbedrohlich)

Spätkomplikationen:

  • Postoperative kognitive Dysfunktion (insbesondere bei älteren Patienten)
  • Maligne HyperthermieMaligne Hyperthermie
    Seltene, erblich bedingte, lebensbedrohliche Reaktion auf volatile Anästhetika und Succinylcholin. Typisch sind rascher CO₂-Anstieg, Tachykardie, Rigor, Temperaturanstieg und Hyperkaliämie. Therapie: Trigger stoppen, Dantrolen, intensives Monitoring.
    [Zum Glossareintrag]
    (selten, lebensbedrohlich – Behandlung mit DantrolenDantrolen
    Dantrolen ist ein peripher wirkendes Muskelrelaxans, das die Kalziumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum hemmt. Es ist das spezifische Antidot bei maligner Hyperthermie und muss bei Verdacht auf eine solche Krise sofort in hoher Dosierung gegeben werden; zusätzlich sind Kühlung, Kreislaufstabilisierung und Intensivüberwachung erforderlich.
    [Zum Glossareintrag]
    )
  • AwarenessAwareness unter Narkose
    Awareness unter Narkose bezeichnet das unerwünschte Wachsein oder Miterleben von OP-Situationen trotz vermeintlich ausreichender Allgemeinanästhesie. Sie ist selten, kann aber zu schweren psychischen Folgen führen und macht sorgfältige Narkosesteuerung, Dosisanpassung und ggf. Hirnfunktionsmonitoring notwendig.
    [Zum Glossareintrag]
    (intraoperative Wachheit, sehr selten, v. a. bei unzureichender Hypnose)

Vorteile & Nachteile

Vorteile:

  • Gute Steuerbarkeit der Anästhesietiefe
  • Individuell anpassbar
  • Reduzierte Nebenwirkungsrate durch dosisangepasste Kombination

Nachteile:

  • Höherer Überwachungsaufwand
  • Komplexe Medikamenteninteraktion
  • Nicht geeignet bei bekannter MH (wenn volatile AnästhetikaInhalationsanästhetika
    Inhalationsanästhetika wirken auf verschiedene Zielstrukturen im Zentralnervensystem. Sie beeinflussen vermutlich GABA-, Glycin-, Glutamat- und NMDA-Rezeptoren im ZNS. Dies führt zu hypnotischen, analgetischen, muskelrelaxierenden und reflexdämpfenden Effekten.
    [Zum Glossareintrag]
    eingesetzt werden)

Nachsorge

  • Überwachung im AufwachraumAufwachraum
    Der Aufwachraum ist der Bereich, in dem Patienten nach Anästhesie und Operation überwacht werden, bis sie wieder ausreichend stabil sind. Hier werden Atmung, Kreislauf, Schmerzen, Übelkeit und Wundverhältnisse kontrolliert und bei Bedarf behandelt, bevor der Patient auf Station zurückkehrt.
    [Zum Glossareintrag]
    (mindestens bis zur vollständigen Wiedererlangung der Schutzreflexe und stabilen Vitalparametern)
  • Kontrolle von AtemwegAtemweg
    Der Atemweg umfasst alle anatomischen Strukturen, durch die Luft von der Umgebung bis zu den Alveolen transportiert wird, also Nase, Mund, Rachen, Kehlkopf, Trachea und Bronchien. In der Anästhesie steht insbesondere die Sicherung des oberen Atemwegs im Mittelpunkt, um eine ausreichende Ventilation und Oxygenierung zu gewährleisten.
    [Zum Glossareintrag]
    , KreislaufKreislauf
    Der Kreislauf umfasst Herz und Blutgefäße und dient dem Transport von Sauerstoff, Nährstoffen, CO₂ und Medikamenten. In der Anästhesie stehen hämodynamische Stabilität und Organperfusion im Mittelpunkt.
    [Zum Glossareintrag]
    , VigilanzVigilanz
    Vigilanz bezeichnet den Grad der Wachheit bzw. Bewusstseinslage eines Patienten, von klar orientiert bis komatös. In der Anästhesie dient die Vigilanzbeurteilung vor allem der Einschätzung von Narkosetiefe und postoperativem Verlauf.
    [Zum Glossareintrag]
    , Schmerz und PONV
  • Dokumentation der Anästhesie und evtl. Komplikationen

Besonderheiten in der Praxis

  • Low-Flow-Technik zur Einsparung von Anästhesiegas und Reduktion von Umweltbelastung
  • Anpassung der Substanzwahl an Patientenmerkmale (z. B. Alter, Komorbiditäten, Organfunktion) und OP-Typ
  • Individuelle Kombination mit Regionalverfahren möglich (z. B. balancierte Anästhesie plus periphere NervenblockadeLeitungsanästhesie
    Gezielte Blockade eines peripheren Nervs oder Nervenplexus durch Injektion eines Lokalanästhetikums. Ermöglicht analgesie oder Anästhesie eines definierten Areals; wichtig bei extremitätennahen OPs.
    [Zum Glossareintrag]
    )

Quellen & weiterführende Informationen

  • DGAI Leitlinien Allgemeinanästhesie
  • AWMF S3-Leitlinie „Präoperative Evaluation“
  • Miller’s Anesthesia
  • https://www.dgai.de

Auch interessant:

Schlagworte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert