Atracurium

AtracuriumAtracurium
Atracurium ist ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans mittlerer Wirkdauer, das überwiegend organunabhängig über Hofmann-Elimination abgebaut wird. Es eignet sich daher auch bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion, kann jedoch Histaminfreisetzung mit Blutdruckabfall verursachen.
[Zum Glossareintrag] ist ein nicht-depolarisierendes MuskelrelaxansMuskelrelaxans
Einzelnes Medikament, das die neuromuskuläre Übertragung blockiert und eine vorübergehende Erschlaffung der Skelettmuskulatur bewirkt, z. B. zur Erleichterung der Intubation oder bei großen OPs.
[Zum Glossareintrag] aus der Gruppe der Benzylisochinoline. Es wird in der AnästhesieKreissystem
Im Anästhesiekreissystem wird das Atemgas rückgeführt, gefiltert und mit frischem Gas ergänzt. Es ermöglicht effiziente Inhalationsanästhesie, CO₂-Elimination über den Kalkabsorber und Einstellung der Narkosegase.
[Zum Glossareintrag] zur Muskelerschlaffung eingesetzt und ist besonders für Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz geeignet.
Allgemeine Informationen
Wirkstoffname: Atracurium
Handelsnamen: Tracrium
Wirkstoffklasse: Nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans (Benzylisochinolin)
Molekularformel: C65H82N2O18
Pharmakologie
PharmakokinetikPharmakokinetik
Pharmakokinetik beschreibt den Weg eines Medikaments durch den Körper: Aufnahme (Absorption), Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung. Diese Prozesse bestimmen Wirkbeginn, Wirkstärke und Wirkdauer.
[Zum Glossareintrag]: Organunabhängiger Abbau durch Hofmann-Elimination und unspezifische Esterasen
PharmakodynamikPharmakodynamik
Pharmakodynamik beschreibt, wie ein Medikament im Körper wirkt – also die Beziehung zwischen Wirkstoffkonzentration und pharmakologischer Wirkung. Dazu gehören u. a. Wirksamkeit, Potenz und Nebenwirkungen.
[Zum Glossareintrag]: Kompetitive Hemmung von Acetylcholin am nikotinischen Rezeptor der motorischen Endplatte
Wirkungseintritt: 2-3 Minuten
Wirksamkeitsdauer: 20-35 Minuten
Metabolismus: Hauptsächlich durch Hofmann-Elimination
Ausscheidung: Renal und biliär
Aussehen
Klare, farblose bis leicht gelbliche Lösung
Erhältliche Konzentrationen
10 mg/ml Injektionslösung
Anwendungsgebiete
Muskelrelaxation während chirurgischer Eingriffe
Erleichterung der endotrachealen IntubationIntubation
Intubation bezeichnet das Einführen eines Tubus in die Trachea zur Sicherung der Atemwege. Sie erfolgt meist unter direkter oder videounterstützter Laryngoskopie und ermöglicht kontrollierte Beatmung und Schutz vor Aspiration.
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Unterstützung der mechanischen BeatmungVentilation
Ventilation bezeichnet die Belüftung der Lunge, entweder spontan oder maschinell über ein Beatmungsgerät. Sie stellt den Gasaustausch sicher und ist zentrales Element der Anästhesie und Intensivmedizin.
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Dosierung
Erwachsene und Kinder über 1 Monat:
Intubationsdosis: 0,5-0,6 mg/kg Körpergewicht
Nachinjektionen: 0,1-0,2 mg/kg Körpergewicht alle 20-30 Minuten
Nebenwirkungen
Häufig: HypotonieHypotonie
Hypotonie bezeichnet einen pathologisch niedrigen Blutdruck mit Risiko für unzureichende Organperfusion. Unter Anästhesie tritt sie häufig durch Vasodilatation, Blutverlust oder Medikamentenwirkung auf und wird mit Volumen, Vasopressoren oder Anpassung der Anästhesietiefe behandelt.
[Zum Glossareintrag], Hautrötungen (durch Histaminfreisetzung)
Weniger häufig: BronchospasmusBronchospasmus
Bronchospasmus ist eine Verengung der Bronchien durch Kontraktion der Muskulatur. Er äußert sich durch Stridor, erhöhten Atemwegsdruck und Abfall der Sättigung.
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Selten: Anaphylaktische Reaktionen
Kontraindikationen
Absolut: Überempfindlichkeit gegen Atracurium oder Benzylisochinoline
Relativ: Patienten mit Asthma (wegen Histaminfreisetzung)
Wechselwirkungen
Verstärkung der Wirkung durch InhalationsanästhetikaInhalationsanästhetika
Inhalationsanästhetika wirken auf verschiedene Zielstrukturen im Zentralnervensystem. Sie beeinflussen vermutlich GABA-, Glycin-, Glutamat- und NMDA-Rezeptoren im ZNS. Dies führt zu hypnotischen, analgetischen, muskelrelaxierenden und reflexdämpfenden Effekten.
[Zum Glossareintrag] und Aminoglykoside
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
Vorsicht bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen aufgrund der Histaminfreisetzung
LagerungLagerung
Gezielte Positionierung des Patienten zur Optimierung des OP-Zugangs und zur Vermeidung von Nervenschäden, Druckstellen, Atem- oder Kreislaufproblemen. Polsterung, Neutralstellung und Hautschutz sind essenziell.
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Gekühlt bei 2-8 °C lagern und vor Licht schützen
Missbrauchspotential
Gering
Sonstiges
Atracurium kann aufgrund seines organunabhängigen Abbaus auch bei Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz sicher angewendet werden.

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